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Geht's auch ohne? Tipps für nachhaltige Alternativen zu Toilettenpapier.

Geht's auch ohne? Tipps für nachhaltige Alternativen zu Toilettenpapier.
Von WindelManufaktur 24. März 2020 802 mal angesehen

Ein Leben ohne Klopapier? Klingt erst einmal befremdlich, ist aber eigentlich nur eine Hürde im Kopf. Welche Alternativen haben wir, wenn es wirklich zu dem eher unwahrscheinlichen Fall kommen sollte, dass uns das Klopapier ausgeht? Selbst, wenn es nicht passieren sollte: Ist dieses Gedankenspiel nicht auch einfach ein Anlass, um sich auf neue, nachhaltigere Verhaltensweisen einzulassen?

Wir haben uns auf Facebook und Instagram eine Woche lang Gedanken darüber gemacht und nebenbei sogar unseren Klostoff entwickelt. In diesem Blogartikel kannst du die Themen, die dich und uns beschäftigt haben, gebündelt nachlesen.

Was in anderen Ländern ganz normaler Alltag ist, kann doch nicht so falsch sein, oder? Wir haben auch nur wenig bis gar keine Erfahrung mit dem Toilettengang ohne Papier. Dabei ist es eigentlich gemeinhin bekannt, dass Wasser hygienischer und auch sanfter zur Haut ist. Stuhlgang löst sich mit Wasser schnell auf und lässt sich deswegen auch mit einer Podusche abspülen. Abgetupft wird dann mit einem waschbaren Tuch aus Baumwolle. Dieses kannst du in ein Wetbag geben und regelmäßig bei 60°C waschen.

Auf Facebook und Instagram haben wir unsere Follower gefragt, welche Alternativen sie bereits zum Klopapier nutzen, und da kamen schon einige nützliche Antworten. Viele nutzen bereits die Kombination aus Podusche und kleinen wiederverwendbaren Stofftüchern, die dann einfach bei 60°C mit Vollwaschmittel gewaschen werden. Das erscheint uns auch nur logisch und wäre unsere Empfehlung der Waschroutine.

Denn diese Art der Reinigung nach dem Stuhlgang - also das Wischen mit Stoffftüchern, die danach gewaschen werden - ist ja eigentlich gar nichts neues. Bei Babys machen wir das ja auch, solange sie Windeln tragen.

Waschlappen aus weicher Biobaumwolle und Feuchttücher aus dünnen Naturfasern schmiegen sich wunderbar an und sind perfekt. Sie lassen sich gut ausspülen bzw. waschen und trocknen schnell. Beide Sorten findest du bei uns im Shop, falls du soetwas noch nicht zu hause hast.

Unser Geheimtipp: Nimm unsere bunten "Klostoff"-Tücher! Da macht das Wischen einfach noch mehr Freude!

Benutztes Klopapier kommt in die Toilette. Waschbare Alternativen nicht. Wohin dann?

Die benutzten Flanelltücher und Waschläppchen solltest du wie folgt lagern:

  • in trockener Umgebung (also nicht im Wassereimer)
  • gut belüftet
  • nicht zu warm

Am besten lagerst du die Waschläppchen so, dass sie von allen Seiten gut belüftet werden und antrocknen. Hierfür gibt es folgende Möglichkeiten:

  • Benutze ein atmungsaktives Wetbag aus PUL oder Wolle und lagere diesen weder an noch auf einer Heizung.
  • Benutze einen Eimer, am besten ohne Deckel. Du kannst ihn aber auch lose drauflegen, solltest den Eimer dann allerdings nicht fest verschließen. Darin spannst du einen Pail Liner, um die Tücher leichter in die Maschine zu befördern. Wenn die benutzten Textilien direkt mit dem Eimer in Kontakt kommen, führe regelmäßig eine gründliche Reinigung durch, damit sich Keime nicht übermäßig vermehren.

So kannst du die Läppchen bis zur nächsten Wäsche lagern. Wir empfehlen, sie spätestens nach drei Tagen zu waschen.

Auf keinen Fall solltest du benutzte Waschlappen in einem Wassereimer lagern. Zusätzlich zur Verkeimung quellen die Materialfasern auf und reißen schneller durch die mechanische Einwirkung der Waschmaschine.

Der größte Vorteil bei den ganzen Alternativen zum derzeit häufig ausverkauften Klopapier? Du hast es immer vorrätig! Und du kannst es einfach und unkompliziert waschen. Wie du die waschbaren Feuchttücher und Waschlappen mit Sicherheit hygienisch sauber bekommst, erklären wir dir heute.

Es gibt vier Grundregeln, die du beachten solltest, damit deine Stoffläppchen für den Intimbereich sauber werden und intakt bleiben. Für alle Textilien, die mit Urin oder Kot in Kontakt gekommen sind, gilt die folgende Waschroutine:

  • Gebrauchte Textilien so, wie sie sind, für maximal drei Tage in trockener Umgebung lagern, zum Beispiel in einem Wetbag. Bitte nicht in Wasser!
  • Koch- und Buntwäscheprogramm bei 60°C, wenn möglich mit Wasserplus wählen; mäßig schleudern (800-1000 Umdrehungen).
  • Vollwaschmittel Pulver verwenden, da Sauerstoffbleiche darin schon enthalten ist. An die Wasserhärte anpassen und bei Bedarf Enthärter zugeben und für weiches Wasser dosieren.
  • Zügig trocknen (wenn trocknergeeignet: Schontrocknen).
  • Erst zusammenfalten, wenn sie wirklich komplett trocken sind.

Welches Waschmittel ist geeignet? Wir empfehlen dir, dein für dich erprobtes Vollwaschmittel weiter zu benutzen – so kannst du dir sicher sein, dass du gut damit zurechtkommst. Wichtig zur hygienischen Reinigung ist die Kombination aus der Waschtemperatur von 60 Grad und Waschmittel mit Sauerstoffbleiche. Diese kannst du auch zu Pulverwaschmittel hinzufügen, ein Teelöffel sollte genügen.

Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass diese Waschroutine im häuslichen Gebrauch sehr effektiv ist.* Sie ist gleichermaßen wirksam bei Viren, Bakterien und Pilzen!

Die hygienische Reinigung setzt allerdings voraus, dass deine Waschmaschine regelmäßig gereinigt wird. Besonders durch das Waschmittelfach können sonst Bakterien, Schimmelsporen und Pilzsporen wieder in die Wäsche gelangen.

Wie sieht es mit Zusätzen aus? Bitte verwende wenig Gallseife und verzichte auf Chlorbleiche und Weichspüler. Am besten wählst du ein Waschmittel ohne optische Aufheller, Konservierungsmittel und synthetische Duftstoffe aus. So schützt du die empfindliche Haut im Intimbereich.

Zum krönenden Abschluss unserer #byebyeklopapier-Reihe kommen hier noch zwei kleine Anekdoten von von Stephanie (Gründerin Windelmanufaktur & Von Ocker und Rot) und unserer Marketing-Mitarbeiterin Thu:

Anekdote von Stephanie:

"Ich bin in der DDR in den 80er Jahren aufgewachsen. In meinem kleinen Dorf in der Nähe von Dresden war das Leben ungefähr so, wie man es in der Bundesrepublik in den 60ern erleben konnte.

Ich erinnere mich, wie oft ich auf die Bauernhöfe gesaust bin, um telefonische Verabredungen zu überbringen! Wie oft ich im Stall oder in der Scheune die Bäuerin finden musste, um ihr zu sagen: "Die Tante Jutta ruft morgen um 13 Uhr an." Und dann saßen die Frauen (immer alle mit Kopftuch und Schürze ) bei Omi in der Küche, tranken Bohnenkaffee und warteten auf das Klingeln von Tante Jutta.

So war das bei uns: bäuerlich, dörflich - analog, undigital und sehr, sehr einfach.

In unserem Haus wohnte ich mit meinen Eltern, Großeltern und unserem Hund. Unser Klo war schräg über den Hof in einer Reihe von Schuppen, und die schmalste Tür führte in einen kleinen Raum von vielleicht einem Quadratmeter. Weiß getünchte Wände und eine Holztür, dazu als einzigen Schmuck zwei ausgeschnittene Kreise in der Tür für etwas Licht. Und das war unser Klo: ein Ring aus Holz über dem gemauerten Sims. Wenn ich da saß hatte ich immer fürchterliche Angst, selbst in die Grube zu fallen! Deshalb kann ich mich auch noch gut an mein Töpfchen erinnern - es war rosa. Und lange in Benutzung, denn ich habe die Wärme der Wohnung und das sichere Töpfchen lange dem Klo über den Hof vorgezogen
Wir hatten "richtiges" Klopapier - aber jetzt, 30 Jahre später, würde das keiner als Klopapier anerkennen. Es war dunkelgrau und furchtbar rau! Einen großen Spaß hatten wir immer, wenn wir noch Reste von unzersetzter Zeitung darauf fanden - Wortteile oder Bildausschnitte. Ich habe mich immer gefragt, mit welcher Geschichte ich mir jetzt den Po wische."


Anekdote von Thu:

"Ich habe meine Familie in Vietnam Anfang der 80er Jahre das erste Mal besucht, da war ich fünf. Damals lebte sie noch auf dem Dorf. Wir hatten für den Toilettengang ein Plumpsklo, wie man es aus Frankreich kannte, und einen Donnerbalken über dem Fischteich. Es gab weder fließend Wasser noch Toilettenpapier. Also ließ man beim Urinieren entweder einfach abtropfen, oder es stand ein Eimer Wasser mit einer Schöpfkelle daneben, mit der man kurz nachspülte. Bei den tropischen Temperaturen war Abtrocknen sowieso nie eine Option. Für das große Geschäft konnte man auch einfach das Wasser nutzen. Oder man nahm etwas von dem hauchdünnen, benutzten Pergament-Luftpostpapier mit und wischte sich sozusagen mit den besten Grüßen aus Deutschland ab...

Ich kann mich noch erinnern, dass für uns Kinder nicht die Toilette selbst die große Barriere war. Sondern dass wir die Fische aus dem Teich dann abends auf den Tisch zum Essen bekamen. ;-p

Heute gibt es natürlich Toiletten, wie wir sie kennen. Daneben hängt eine Duschbrause, mit der man sich bequem reinigen kann, oder es gibt immer noch den Wassereimer mit der Schöpfkelle. Auf dem Land habe ich auch schon kleine Toilettenkabinen gesehen, die auf abgeschrägte Betonplatten gesetzt waren. Da hat man einfach auf den Fußboden gemacht. An der Rückwand gab es einen Schlitz, durch den dann alles mit dem Wasser aus dem Eimer in einen Graben durchgerutscht ist. In touristischen Einrichtungen gibt es natürlich auch Klopapier. Es ist also überall erhältlich, aber privat wird eigentlich immer noch nur Wasser benutzt."


Zusätzlich haben wir Stoffwindelberaterin Kathi (@wickeln.mit.liebe, https://wickelnmitliebe.de/) nach ihren Erfahrungen befragt. Kathi verwendet in ihrem Haushalt seit fünf Jahren kein Klopapier mehr! Das Interview liest du in Kürze hier.

Hast du praktische Erfahrung mit Podusche und Waschlappen? Wir sind gespannt auf deine Kommentare! Unser Plan ist es, ganz viele Tipps, Abläufe und Erfahrungen zu sammeln und hier zu veröffentlichen.


Quellen:

*Laundry hygiene—how to get more than clean D.P. Bockmuhl


Ariane 29. Mai 2020 at 19:34
Guten Abend. Vielen Dank vorab für die engagierte Arbeit und die tief recherchierten Informationen. Ich würde mich sehr freuen, wenn diese insb in einem Punkt ergänzt werden würden: Sinnvolles & hygienisches Waschen von Feuchttüchern. Es wird angegeben, man solle max. 3 Tage die benutzen Tücher aufbewahren. Nach 3 Tagen ist aber keine Waschmaschine voll... Mit andern Textilien zu waschen, die dann aber erst NACH der Vorwäsche dazukommen sollen, ist zumindest bei unserer sehr modernen Maschine schwierig, da man nach der Vorwäsche nichts dazulegen kann. Was nun? Eine ganze Maschine Feuchttücher abwarten klingt relativ unhygienisch/ unpraktikabel; eine fast leere Maschine waschen ziemliche unökologisch & teuer; gemischt mit anderer Wäsche macht Sorgen, dass man sich dann die Keime in allem verteilt... Freue mich über Tipps & Ideen zu diesem Dilemma. Danke & Grüße, Ariane
WindelManufaktur 31. Mai 2020 at 01:31
Hallo Ariane,
die Waschmaschine sollte mindestens zu zwei Drittel gefüllt sein, damit die Wäsche ökologisch ist. Hast du nicht genügend Wäsche für eine volle Ladung, kannst du die Stoffe zusammen mit anderer Wäsche waschen, die die gleiche Temperatur und das gleiche Waschprogramm verträgt.

Auch die Beladung der Waschtrommel hat Einfluss auf die Energieeffizienz. Ist z. B. neben der üblichen Windelwäsche geöffneten Wetbag mit den gesammelten Saugeinlagen noch Platz in der Maschine, dürfen zusätzlich nach einer Vorwäsche oder dem Kurzprogramm Handtücher, Waschlappen oder wiederverwendbare Putztücher (Spüllappen aus der Küche, Bodenwischtücher o. Ä.) mitgewaschen werden. Das verschmutzte Wasser mit Urin sollte zwischen den Programmen abgepumpt werden. Bei 60°C wird alles sauber und du brauchst keine Angst haben, dass Urin oder Stuhlreste auf deine Handtücher übergehen.

Saugeinlagen können gut mit Handtüchern, Stoffbinden, bestimmter Sportkleidung und eventuell Socken und Unterwäsche gewaschen werden. Beachte dazu bitte die Pflegehinweise auf dem Waschetikett. Wichtig ist, dass die Wäsche erst nach einer Vorwäsche oder einem Kurzprogramm zu den Einlagen oder Klostoffen gegeben wird, damit das Schmutzwasser vor dem gemeinsamen Hauptwaschgang ausgetauscht wird.