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Erzähl mal! Erfahrungsbericht über Stoffwindeln im Fahrradurlaub - Umweltverträglich reisen

Erzähl mal! Erfahrungsbericht über Stoffwindeln im Fahrradurlaub - Umweltverträglich reisen
Von WindelManufaktur 25. Juli 2019 4508 mal angesehen

Dank unserer Hashtag-Aktion #windelmanufakturaufreisen bekommen wir ganz viele tolle Bilder und Reiseberichte über Instagram und Facebook zugespielt. Dabei ist uns eine Stoffwindel-Mama über Instagram ganz besonders aufgefallen: @maximiliane.kb! Mit Mann, Hund und ihrer kleinen Tochter war sie diesen Sommer über mehrere Wochen mit dem Fahrrad unterwegs. In unserer Interviewreihe "Erzähl mal!" berichtet sie von ihren Erfahrungen mit Stoffwindeln im Fahrradurlaub und zeigt uns neben schönen Urlaubsfotos, wie unkompliziert und stressfrei umweltverträgliches Reisen geht.

Hallo Maximiliane,

wir freuen uns, dass du deine Erfahrungen mit Stoffwindeln im Fahrradurlaub mit uns teilst. Bevor wir zu deinem Reisebericht kommen, möchten wir dich kurz kennenlernen.

Wer bist du?

Ich heiße Maximiliane und bin von Beruf Tierärztin. Seit August 2018 bin ich außerdem Mutter einer wundervollen Tochter. Des Weiteren gehören noch mein Mann, unser Dackel Waldemar und mein Pferd zur Familie und wir wohnen alle in Hannover.

Mutter und Tochter im Fahrradurlaub mit Stoffwindeln der Windelmanufaktur

Deine Tochter wickelst du mit unseren Stoffwindeln. Wann und warum hast du beschlossen, mit Stoff zu wickeln?

Ich wurde selber schon als Baby unter anderem mit Stoffwindeln gewickelt. Als ich dann selber schwanger war, war eigentlich von Anfang an klar, dass ich mit Stoff wickeln möchte. Sowohl mein Mann als auch ich haben eine sehr empfindliche Haut. Da wollten wir, dass auch unser Baby mit möglichst wenig Chemie am Po in Kontakt kommen soll. Außerdem graute es mir vor der Vorstellung, wie viele Berge Müll man mit Wegwerfwindeln produziert - es sind sage und schreibe 1 bis 1,5 Tonnen pro Wickelkind und bis diese abgebaut sind dauert es mehrere Hundert Jahre! Zudem wusste ich ja auch schon wie schön und modern die heutigen Stoffwindeln sind. Denn ich habe die Windelmanufaktur-Windeln schon vor einigen Jahren bei einer Freundin kennen gelernt und mich direkt in sie verliebt. Von ihr und ihren Freundinnen konnte ich dann einiges übernehmen, so dass ich zur Geburt schon komplett ausgestattet war. Das meiste davon habe ich gebraucht gekauft. Das war ein weiteres Argument für die Stoffwindeln in Bezug auf Nachhaltigkeit und spricht auch für die Qualität der Windelmanufaktur. Nach der Geburt habe ich noch die Wegwerfwindeln, die ich zur Babyparty geschenkt bekommen hatte, aufgebraucht. Ab Tag 10 habe ich dann mit den Stoffwindeln der Windelmanufaktur gewickelt.

Stoffwindel Außenwindel Leinen Matcha Windelmanufaktur auf Fahrrad

Erzähl mal ein bisschen von eurer Fahrradreise. Wie habt ihr die geplant, wo ging es hin, wie habt ihr euch mit Baby und den Stoffwindeln im Gepäck organisiert?

Wir wollten die Elternzeit mit einer langen Reise verbinden. Wann hat man schon die Möglichkeit, sich so lange frei zu nehmen? Und auf so einer Reise lernt man sich als Familie nochmal ganz anders kennen. Es schweißt einen enorm zusammen, wenn man komplett raus aus dem Alltag kommt und 24h/7 zusammen ist. Viele unserer Freunde hatten auch diese Idee und haben einen Road-Trip mit dem Camper gemacht. Die meiste Zeit in einem Auto zu sitzen? Das konnten wir für uns nicht vorstellen. Zudem wollten wir noch näher an der Natur dran sein. So sind wir auf die Idee mit dem Rad gekommen. Bei dem relativ langsamen Vorankommen nimmt man die Natur viel intensiver wahr und fährt meistens auf noch ruhigeren Wegen. Weiterer Aspekt war auch, dass wir, wenn wir nur mit Rad und Zug reisen, sehr ökologisch unterwegs sind.

Baby mit Stoffwindel der Windelmanufaktur schaut aus dem Zug Fenster der Deutschen Bahn


Als unsere Pläne etwas konkreter wurden, haben wir eine einwöchige Probetour an der Weser gemacht. Da haben wir festgestellt, dass Streckenabschnitte von 50 bis 60 km ohne Steigung für einen Tag sinnvoll sind. Am besten fährt man dann, wenn das Baby schläft. Bei unserer Tochter waren das am späten Vormittag und am Nachmittag je etwa ein bis zwei Stunden.

Da wir unsere große Radtour für die Monate Mai und Juni geplant hatten, wollten wir in Richtung Süden radeln. Wir wollten nur Länder bereisen, wo die Infrastruktur mit Ärzten, Tierärzten und gutem öffentlichen Nahverkehr mit Rädern gesichert ist. Viel geplant haben wir dann eigentlich nicht weiter. Es gab von Hannover nur einen ICE nach Frankfurt, der Räder mitnimmt. Den habe ich gebucht und anschließend haben wir geplant, dass wir den Main, die Tauber, die Altmühl und die Donau bis nach Passau lang radeln und dann an der österreichischen Grenze überlegen, wo es weiter hingehen soll.

Vorab haben wir bis Passau stornierbare Backup Unterkünfte entlang der Strecke gebucht, um im Notfall ein Dach über den Kopf zu haben. Die Optionen für den Abschnitt außerhalb von Deutschland waren dann weiter entlang der Donau nach Budapest, eine Rundreise durch Österreich oder den Ciclovia Alpe-Adria über die Alpen bis an die italienische Mittelmeerküste radeln.

Als wir in Passau angekommen sind und festgestellt haben, wie gut alles läuft, haben wir uns für die Alpentour entschieden. Immer mit der Option, dass wenn es zu hart wird, wir einfach umkehren. Aber wir haben es geschafft! Wir sind bis nach Grado und dann von dort mit Rad und Zug weiter an der Adriaküste entlang bis nach Rimini gefahren. Zurück ging es mit dem Zug über Bologna und München nach Hannover. Insgesamt waren wir sieben Wochen unterwegs und haben etwa 1.500 km mit dem Rad zurückgelegt und etwa nochmal so viele mit dem Zug.

Frau mit Fahrrad in den Bergen Fahrradurlaub mit Stoffwindeln der Windelmanufaktur

Wow! Wirklich Wahnsinn!

Ja! Und ganz besonders stolz bin ich, dass wir das alles ohne E-Bike geschafft haben! Dabei sind wir ganz normal aktive Menschen und haben kein besonderes Training vorher gemacht.

Das Gepäck hat sicherlich schon einige Überlegungen vorab gefordert. Ich hatte drei Taschen auf meinem Rad. Mein Mann vier, plus den Fahrradanhänger mit Baby und Hund und noch weiterem Gepäck. Kalkuliert haben wir wie folgt:

  • Je eine Satteltasche pro Person für Kleidung,
  • eine Satteltasche mit den Stoffwindeln und weiteren Babyutensilien,
  • dann noch einen Lowrider für Hundesachen und Waschmittel und
  • einen für Küchenutensilien.

Im Anhänger hatten wir dann natürlich einen Sitzplatz für unsere Tochter, direkt vor ihr lag immer der Dackel und hinten im Anhänger haben wir dann noch die Campingausrüstung, Schuhe und ein Reparaturset untergebracht.

Baby mit Stoffwindeln der Windelmanufaktur im Fahrradurlaub

Wie und wo habt ihr übernachtet?

Gezeltet haben wir tatsächlich nur einmal. Das hat bei uns mit dauerstillender Tochter nicht ganz so gut funktioniert, weswegen wir dann auch beschlossen haben, die Campingausrüstung zurückzuschicken und mit weniger Gepäck weiterzuradeln. Übernachtet haben wir meistens in Bed & Breakfasts. Manchmal auch in Hotels.


Viele Fragen sich an der Stelle: Ist der Aufwand nicht zu groß, wenn keine Waschmaschine in der Nähe ist? Wie waren deine Erfahrungen?

Nein, für mich stand es vorher auch nie wirklich zur Debatte nicht mit den Stoffwindeln loszufahren. Ich für mich persönlich wollte einfach auch unterwegs so wenig Müll wie möglich produzieren. Außerdem hatte ich Angst, dass unsere Kleine mit Wegwerfwindeln Probleme bekommt oder man im Ausland nur schwer Bio-Wegwerfwindeln kaufen kann. Letzten Endes ist der Mehraufwand für das Waschen der Einlagen per Hand ja nicht wirklich so viel größer.

Wickeln geht überall mit Stoffwindeln Windelmanufaktur

Wie habt ihr das Wickeln und Waschen mit Stoffwindeln auf eurer Fahrradreise mit Baby konkret umgesetzt? Was habt ihr an Wickelmaterial und Reinigungsmitteln mitgenommen?

Das Wickeln haben wir meist einfach am Wegrand gemacht. Wir hatten eine waschbare, wiederverwendbare Wickelunterlage dabei. Zum Schluss haben wir viel stehend am Anhänger oder auf dem Schoß gewickelt, weil Madame immer weniger still liegen wollte. Anders als zu Hause haben wir unterwegs aber Einwegfeuchttücher zum Saubermachen benutzt. Das war einfach praktischer.

Als Wickelmaterial haben wir 14 Einlagenkombis für tagsüber mitgenommen, damit man damit gut zwei Tage hinkommt. Das waren bei uns


Ausstattung Stoffwindeln der Windelmanufaktur für Fahrradurlaub

Die Wollwindeln hatte ich alle vor Abreise gefettet. Aber sicherheitshalber habe ich auch noch Lanolin (Wollfett) mitgenommen - gebraucht haben wir es tatsächlich nicht. Als Mehrzweck-Utensil hatten wir noch fünf Mullwindeln dabei, die ich zur Not auch noch als Windeleinlage hätte nutzen können. Außerdem hatten wir noch zwei Wetbags in mittlerer Größe zum Sammeln der benutzten Einlagen dabei. Zum Waschen habe ich Flüssigwaschmittel mitgenommen, da wir das aber immer wieder nachkaufen mussten, waren wir nicht besonders wählerisch.


Aufgrund von Platz und Gewicht konnten wir nicht mehr Einlagen mitnehmen. So habe ich jeden Tag per Hand gewaschen, was für mich persönlich aber nicht besonders schlimm war. Ich war etwa 20 Minuten pro Tag damit beschäftigt. Immer morgens habe ich die Einlagen einmal durchgespült. Anschließend mit möglichst heißem Wasser und Waschmittel gewaschen, gut gespült und dann zum Trocknen auf die Wäscheleine am Anhänger gehängt. Die hatte mein Mann extra vorher zwischen dem Schiebegriff installiert. So konnten die Einlagen über den Tag hinweg trocknen. Abends waren sie meistens schon komplett trocken, manchmal habe ich sie dann noch im Zimmer aufgehängt. Da ich sie ja erst am nächsten Tag benötigt habe, kamen wir immer ausreichend hin. Entlang der Route habe ich aber auch immer geschaut, ob es irgendwo einen Waschsalon gibt. Insgesamt haben wir vier Waschsalons besucht. Das war dann natürlich richtiger Wasch-Luxus.

Frau im Waschsalon zum Stoffwindeln waschen

Und, ganz ehrlich, würdet ihr es wieder so machen?

Ja! Ich würde es definitiv genau wieder so machen. Hinsichtlich der Stoffwindeln hat es ja auch einfach super geklappt. Ich war total überrascht, wie gut zum Beispiel die Wollinnenwindeln das alles ohne waschen und erneutem Fetten mitgemacht haben. Wir hatten natürlich Glück, dass das Wetter eigentlich immer super war und die Einlagen sehr schnell getrocknet sind. Wenn wir eine Radtour Richtung Norden planen würden, dann würde ich vielleicht doch die Mullwindeln als Einlage empfehlen, da diese einfach noch schneller trocknen. Eine andere Option wäre, ein paar Einwegeinlagen für alle Fälle mitzunehmen. Auf die Idee bin ich aber erst unterwegs gekommen.

Papa und Baby in Stoffwindeln der WindelManufaktur warten am Bahnhof in Ravenna auf den Zug

Ich kann so eine Radreise nur jedem empfehlen. Das relativ langsame Reisen und nicht immer ein festes Ziel vor Augen zu haben, hat total entschleunigt. Da wir immer wieder mit unvorhersehbaren Situationen konfrontiert wurden, hat uns das als Familie enorm zusammengeschweißt. Ein wirklich tolles Gefühl ist es auch, einen so nachhaltigen Urlaub gemacht zu haben. Uns wurde auf der Reise nochmal richtig bewusst, wie groß da das Potenzial eines jeden ist.

Danke für diese wundervollen Schlussworte! Wir hoffen, dass es auch anderen Mut macht, es im Urlaub mit Stoffwindeln zu versuchen und umweltverträglichere Formen des Reisens auszuprobieren. Deine Erfahrungen ergänzen auch noch mal schön, was wir in unseren 10 Tipps für entspanntes Wickeln auf Reisen geschrieben haben.

Falls du auch von deiner Reise berichten möchtest, schreib uns gerne eine E-Mail an fabiane@windelmanufaktur.de oder nutze weiterhin das Hashtag #windelmanufakturaufreisen, wenn wir deine Bilder auf Instagram und Facebook teilen dürfen. Lass uns gemeinsam allen da draußen erzählen, dass Stoffwindeln in jeder Situation die richtigen sind. Weil sie immer ökologisch sind. Weil sie nie ausgehen. Weil man sie überall mal eben waschen kann. Und weil sie einfach sooo sooo schön aussehen auf den Urlaubsfotos. :)


Sophia F. 26. Juli 2019 at 17:00
Sehr cool zu lesen, dass wir nicht die einzigen sind, die so unterwegs sind! Wir sind momentan auch mit dem Fahrrad auf Elternzeitreise. Im Unterschied zu Maximiliane und ihrer Familie haben wir aber keinen Hund dabei, haben immer gezeltet und sind in Nordspanien. Außerdem wollten wir keine reine Radreise machen und haben daher auch noch einige Kilometer (und Höhenmeter) wandernd zurück gelegt. Am Sonntag treten wir die Heimreise an und werden nach schlappen 3,5 Zugtagen hoffentlich wieder Zuhause in Dresden ankommen.
Auch wir können diese Form des Reisens wärmstens empfehlen! Man darf sich im Vorfeld bloß nicht von der Suche nach den passenden Zügen abschrecken lassen, irgendwie findet sich ein Weg, auch wenn es manchmal nicht gleich so aussieht.