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Stoffwindeln – mal so grundsätzlich angefangen

Stoffwindeln – mal so grundsätzlich angefangen
Von Chefin 18. April 2012 15762 mal angesehen

Was heißt das eigentlich, “mit Stoff windeln”? Mich hat diese Frage lange beschäftigt und ich will Euch in einer kleinen Serie verschiedene Möglichkeiten und meine Erfahrungen damit vorstellen. Grundsätzlich heißt “Stoffwindel” erst einmal nur, dass man statt eines nach Benutzung zu entsorgenden Plastikverbundes textile Produkte, welche wiederverwendbar sind, benutzt. Das ist gleichzeitig der wichtigste Unterschied zu den Wegwerfwindeln – die Wiederverwendbarkeit. Bevor ich aber in späteren Posts auf diesen Aspekt näher eingehe, will ich Euch heute erklären, was es für verschiedene Typen von Stoffwindeln gibt. Da Stoffwindeln im englischsprachigen Ausland ein viel größeres Thema sind als bei uns werde ich Euch ab und an einen englischen Begriff dazuschreiben um Euch das Suchen im Internet zu erleichtern.

Als erstes das absolute Basiswissen: Eine Stoffwindel besteht aus etwas was saugt und innen in der Windel liegt und aus etwas, was die Feuchtigkeit daran hindert, die Bekleidung durchzunässen. Das dürfte schon so die grundsätzlichste Eigenschaft sein, die alle Stoffwindeln vereint. Darüber hinaus gibt es drei “Obergruppen” von Stoffwindeln:

1. Zweiteilige Windeln – da zieht man über eine aufsaugende Windel eine wasserundurchlässige Windel

2. Einteilige Windeln – da ist die Saugschicht und die “Dichtungsschicht” in einem vereint.

3. Einteilige Windeln mit Einlage – quasi die Mischung aus 1. und 2.

Verwirrt? Das war ich auch! Aber immer ruhig, ich erkläre Euch alles. Jetzt kommt erstmal alles zu den zweiteiligen Windeln.

Dazu gehören die klassischen Windeln (prefold diapers), wie sie unsere Eltern benutzt haben. Ein Stoffteil wird dazu gefaltet, um den Babypopo geschlungen und fixiert. Ich habe mal das schlichte Wort “falten” benutzt, aber tatsächlich ist das eine Kunst für sich. Einen schönen Link dazu findet Ihr hier bei http://www.wikihow.com/Fold-a-Cloth-Diaper – da sind richtige viele Arten detailreich erklärt. Mich hat das lange abgeschreckt, denn es sieht nach viel zusätzlicher Arbeit aus. Inzwischen habe ich es ausprobiert und entgegen meinen Erwartungen funktionieren diese Windeln in Punkto Dichtigkeit gut. Ich glaube auch, dass wenn man lange so windeln es bestimmt zack-zack geht, aber mir war das zu viel Falttechnik und wenn sich Henriette bewegt hat bin ich schon nicht mehr klargekommen. Mein Fazit dazu ist also, dass mir die Falterei zu kompliziert war und ich etwas einfacheres wollte.

Einen Schritt Richtung Bequemlichkeit und wir sind bei den sogenannten “Bindewindeln”. Solche habe ich hier seit einiger Zeit in Benutzung und deshalb habe ich für Euch ein paar Bilder gemacht:

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So sehen diese Windeln aus. Sie müssen einmal in der Mitte gefaltet werden, bevor sie bereit zum Einsatz sind:

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Dann werden sie unter das Baby gelegt und mit wenigen Handgriffen werden die seitlichen Flügel auf den Bauch geklappt, das mittlere Teil darüber gelegt, der Faden auf dem Rücken verkreuzt und vorn verknotet. Das sieht dann so aus:

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Anstatt dieser länglichen Bindewindel gibt es auch die Möglichkeit, schon “anatomisch” geformte zu benutzten, wie zu Beispiel die auf dem nächsten Bild (von Hans Natur). Das Windeln funktioniert aber genauso wie bei den einfachen Bindewindeln – Flügel seitlich hochklappen, Mittelteil hochklappen, Bändchen drum.

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Nun mein Fazit:

Mit den Bindewindeln (mit beiden Typen) bin ich zufrieden, sie lassen sich nach etwas “Einarbeitung” schnell anlegen, saugen alles auf und ich hatte bisher noch kein Malheur mit “hochkriechendem” Stuhlgang.Ich sehe bei den Bindewindeln folgende Vorteile: sie trocknen schnell, sie sind günstig in der Anschaffung und mit etwas Übung sind sie leicht anzulegen. Ein weiterer großer Vorteil ist, dass diese Windeln One Size sind, sie passen meiner sechs Monate alten Tochter ebenso gut wie der zweijährigen. Ich finde, dass sie aber auch Nachteile haben: die Bänder müssen in der Waschmaschine gegen Verschlingen gesichert werden und nach dem Waschen wieder aufgeknotet werden, die Windeln selbst müssen nach dem Waschen ordentlich flach gelegt und gefaltet werden (was beides nervt und Zeit kostet), wenn das Baby strampelt beim Windeln gehen diese Windeln schwer anzulegen (sie sind wohl eher etwas für ruhige Kinder) und sie erscheinen dritten Personen (Oma etc.) zu kompliziert anzulegen.

Gehen wir wieder einen Schritt weiter in Richtung Bequemlichkeit und wir kommen bei den “Windelhöschen” (fitted diapers) an. Diese sind geformt wie normale Wegwerfwindeln und lassen sich wie diese meistens mit einem Klettverschluss schließen. Damit auch sie One Size sein können, kann man sie oft zusätzlich mit Druckknöpfen in der Größe verstellen. Ich habe für Euch hier ein Bild meiner One Size Organic von Popolini und einer selbstgenähten Windel. Diese Windelart ist in unzähligen Versionen erhältlich, dazu schreibe ich gern noch ein andermal mehr.

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Über diese Innenwindelschicht muss man eine wasserundurchlässige Schicht, eine Überhose (diaper cover, wrap or soaker) ziehen. Da gibt es wiederrum viele Möglichkeiten. Hier habe ich mal drei verschiedene für Euch fotographiert:

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Auf Bild eins (ganz links) seht ihr eine einteilige Überhose aus Wolle (hier eine von Disana). Das Wollfett verhindert eine Durchfeuchtung der Wolle und die Überkleidung bleibt trocken und trotzdem ist der Windelpopo nicht “luftdicht abgeschlossen. Auf Bild zwei sehr ihr auch eine Wollüberhose, aber sie aus Filz und nicht aus Strick und sie wird mit Klettverschlüssen geschlossen (diese hier ist von Wollwikkel Amsterdam). Auf Bild drei (ganz rechts) dann eine Stoffüberhose mit einer Beschichtung. Die besseren Modelle dieser Version einer Überhose haben eine Beschichtung aus Polyurethan und sind damit wasserdicht UND luftdurchlässig. Es gibt auch ganz furchtbare Modelle nur aus Plastik, aber grundsätzlich ist Luftdurchlässigkeit sehr wichtig, um die zarte Babyhaut nicht unnötig zu reizen und Keimwachstum nicht zu begünstigen.

Ich bevorzuge die Klettwollüberhose und die beschichtete Klettüberhose gegenüber der Stricküberhose. Die Stricküberhose ist vergleichsweise schwierig anzuziehen und dieses ziehen und zerren wird von meiner Tochter mit Geschrei quittiert – und das muss ja nun nicht sein. Ich kann mir aber vorstellen, dass die Stricküberhosen im Sommer sehr praktisch sind, da man sich dann wahrscheinlich gleich die Hose sparen kann und nur ein paar lange Socken dazu anziehen brauch. Darüber bekommt Ihr bei dementsprechendem Wetterwechsel und wachsenden Erfahrungen auch noch mehr Informationen. Auf dem nächsten Bild seht Ihr meine Tochter mit einer Bindewindel und Wollklettüberhose darüber. Das ist auch das System, welches ich momentan am häufigsten benutze. Das kann aber auch daran liegen, dass ich von den Bindewindeln ausreichend viele da habe und so nicht jeden Tag waschen muss ;-) :

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Ein weiterer Nachteil aller zweiteiligen Systeme ist, wie auf dem Bild unschwer zu erkennen, die “Mächtigkeit” des Windelpaketes. Das kann, wie gesagt, bei manchen Kleidungsstücken oder wenn das Kind dann mobiler ist, stören.

Im nächsten Teil werde ich Euch die Einteiligen Windeln vorstellen. Wer sich bis dahin schon weiter informieren will: sehr geholfen hat mir neben unzähligen anderen Informationsquellen die Seite http://www.naturwindeln.de/windelarten/index.php.

So, ich hoffe, dass ich Euch die größte Verwirrung nehmen konnte und will Euch nochmal auf die Real Diaper Week hinweisen, dort findet Ihr ganz schnell wahnsinnig viele Informationen. Wenn Ihr irgendwelche Fragen zu diesem ersten Post habt – ich freue mich darauf, diese zu beantworten!

Tabea Himmelmann 20. Januar 2016 at 15:56
Hallo Stephka,meine Mutter hat damals bei meiner kleinen Schwester noch eine andere Art von Stoffwindeln benutzt. Ich weiß nicht, ob es die nicht mehr gibt, aber die waren sehr praktisch. Im Prinzip sah die Außenwindel aus wie eine "Wegwerfwindel" nur eben aus Stoff und mit Klettverschluss, ähnlich wie deine zuletzt gezeigten Windeln.Dann wurde innen aber ein breites, saugfähiges Stück Stoff (ähnlich einer Damenbinde)hineingelegt und darauf kam noch etwas, das wie ein stabiles, breites und langes Blatt Klopapier war (war auch auf einer Rolle zum Abreißen). Dieses war aus recyceltem Papier hergestellt und wurde dann auch weggeworfen. Der Vorteil daran war, dass die Windel nicht immer verschmutzt war und es oft reichte, das Blatt und evtl die Einlage auszutauschen. Man hatte also relativ wenig Wäsche.Liebe Grüße, Tabea