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Tausend gute Gründe für Stoffwindeln - Grund 3: Stoffwindeln sind umweltfreundlich

Tausend gute Gründe für Stoffwindeln - Grund 3: Stoffwindeln sind umweltfreundlich
Von 3. April 2019 3652 mal angesehen

Sind Stoffwindeln wirklich ökologischer als Einwegwindeln? Die Behauptung, dass die Ökobilanzen beider Windeltypen ähnlich ausfallen, hält sich hartnäckig. Grund sei der hohe Energie- und Wasserverbrauch, der beim Waschen der Stoffwindeln anfällt. Eltern, die vor der Entscheidung stehen, ob sie Stoffwindeln oder Einwegwindeln verwenden wollen, werden manchmal von dieser Aussage abgeschreckt und greifen dann als Kompromiss auf Ökowindeln zurück. An dieser Stelle möchten wir darüber aufklären, wie die Lage tatsächlich ist.

Die Diskussion, ob Einweg- oder Mehrwegprodukte besser für die Umwelt sind, gibt es nicht nur beim Thema Windeln, sondern zu vielen anderen Produkten auch. So zum Beispiel über To-go-Kaffeebecher oder Plastiktüten. Auch hier wird gestritten, ob die Produktion schwerer Keramiktassen tatsächlich besser für die Umwelt ist als Papp- oder gar Plastikbecher. Keramiktassen müssen immer wieder gesäubert werden und dürfen nicht kaputtgehen, Pappbecher hingegen werden nach einmaliger Verwendung entsorgt und können dann in der Regel nicht mehr verwertet werden, weil sie beschichtet sind.

Doch woher kommen diese Diskussionen?

Das liegt daran, dass es nicht viele gute Ökobilanzstudien gibt und dass sie sich inhaltlich teilweise widersprechen.

Welche Ökobilanzstudien für Stoff- und Einwegwindeln gibt es und zu welchen Ergebnissen kommen sie?

Britische Studie 2008

Photo by Ethan Kent on Unsplash

The Environment Agency aus Großbritannien hat 2008 eine überarbeitete Studie veröffentlicht mit dem Ziel, die Umweltbelastung von Einwegwindeln und Stoffwindeln (Höschenwindeln und Prefolds), über den gesamten Lebenszyklus hinweg, abzubilden.

Dazu wurden verschiedene Szenarien kreiert, die die unterschiedlichen Umweltauswirkungen durch verschiedene Grundvoraussetzungen darstellen sollen. Sowohl für Einwegwindeln als auch für Stoffwindeln wurde je ein Durchschnittsszenario entworfen; diese wurden dann für die jeweiligen anderen Szenarien angepasst.

Das Ergebnis haben wir mal hier in einer Infografik zusammengefasst und kritisch hinterfragt:


Australische Studie 2009

Photo by Alex wong on Unsplash

Die University of Queensland in Brisbane hat 2009 ebenfalls eine Studie zu diesem Thema aufgesetzt. Ihr Ziel war es, die umweltfreundlichste Windelvariante zu ermitteln. Hierfür sollten für die folgenden vier Umweltfaktoren Werte ermittelt werden:

  1. Wasserverbrauch,
  2. der Verbrauch nicht-erneuerbarer Energien,
  3. Feststoffabfallmenge und
  4. Landnutzung bei der Rohstofferzeugung.

Die Ergebnisse beziehen sich nicht auf einen durchschnittlichen Fall, sondern werden als Wertebereiche angegeben, damit die tatsächliche Umweltbelastung von jedem einzelnen Windelnutzer individuell ermittelt werden kann.

Die Ergebnisse und unsere Kritik dazu findet ihr in der folgenden Infografik:


Sowohl in der britischen als auch in der australischen Studie fehlt es an konkreten Daten, die ein realistisches Verhalten von Stoffwindelnutzern nachvollziehbar machen. Die britische Studie legt unrealistische und wenig ökologische Voraussetzungen bei der Nutzung von Stoffwindeln zu Grunde. Die australische Studie ist zu sehr auf australische Gegebenheiten ausgelegt, die nicht auf europäische Verhältnisse übertragen werden können. Zudem wird hier die Produktion von Einwegwindeln durch das Weglassen der Kunststoffproduktion völlig falsch dargestellt.

Auch wenn es bis heute keine verlässlichen Ökobilanzstudien gibt, sind wir der Auffassung, dass Stoffwindeln die wesentlich umweltfreundlichere und nachhaltigere Variante des Wickelns sind. Zudem hat beim Wickeln mit Stoffwindeln der/die Verbraucher/in die Möglichkeit, die Ökobilanz selbst positiv zu beeinflussen. Bei Einwegwindeln liegt diese Verantwortung zum größten Teil beim Hersteller.


Wie könnt ihr persönlich die Ökobilanz von euren Stoffwindeln beeinflussen?


Wenn ihr Stoffwindeln nutzt, habt ihr viele Möglichkeiten, die Ökobilanz eurer Windeln selbst zu beeinflussen. Das ist bei Einwegwindeln kaum möglich.

Bereits beim Kauf könnt ihr euch für Modelle entscheiden, die vergleichsweise wenig Wäsche verursachen. Das können z.B. Wollüberhosen sein, die man nur sehr selten waschen muss, oder ein All-in-3-System wie das der WindelManufaktur. Es ist so konzipiert ist, dass meistens nur die Einlagen gewaschen werden müssen. Vielen Stoffwindelherstellern ist eine nachhaltige Produktpolitik wichtig und damit unter anderem die Entwicklung von besonders nachhaltigen Produkten. Auch bei der Materialwahl kann man die Ökobilanz positiv beeinflussen. Am besten wählt ihr Windeln, die aus biologisch angebauten, nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden, oder aus Recyclingmaterial. Auf Materialien aus nicht erneuerbaren Ressourcen sollte zur Verbesserung der Ökobilanz, soweit möglich, verzichtet werden.

Lasst auch die Herkunft der Windeln nicht außer Acht! Windeln aus China zum Beispiel, müssen sehr weit transportiert werden, das ist natürlich nicht nachhaltig. Vorzugsweise sollten die Windeln aus Europa oder gar Deutschland kommen. Bedenkt, dass durch den Transport viele Treibhausgase ausgestoßen werden, außerdem ist auch der Reifenabrieb beim Transport mit dem LKW nicht zu vernachlässigen. Durch Reifenabrieb entsteht der größte Anteil von Mikroplastik – viel mehr als durch Kosmetika und Textilwäsche!

Natürlich kann die Ausscheidungsmenge nicht beeinflusst werden, aber grundsätzlich ist es natürlich so, dass selteneres Windelnwechseln die Ökobilanz positiv beeinflusst. Hier wird selbstverständlich jeder dem Wohlergehen des Kindes den Vorzug geben und auf eine verbesserte Ökobilanz verzichten. Die Windeln werden also so oft wie nötig und so selten wie möglich gewechselt.

Mehr Einfluss auf die Ökobilanz hat man beim Waschen: Moderne Waschmaschinen sind viel energieeffizienter als früher und auch das Waschprogramm und die Temperatur spielen eine Rolle. Im Normalfall reicht es vollkommen aus, die Saugeinlagen und Innenwindeln bei 60°C zu waschen. Für die Außenwindeln ist eine 40°C Buntwäsche im Eco-Programm am besten. Auch Ökowaschmittel kommt der Ökobilanz im Vergleich zu herkömmlichen Waschmitteln zu Gute. Generell sollten Waschmittel immer korrekt dosiert werden.

Trocknen an der frischen Luft ist natürlich energiesparender als im Wäschetrockner. Ist der Einsatz eines Trockners dennoch hin und wieder unverzichtbar, so sollte auch dieser ein Energiesparmodell sein.

Außerdem kann man durch das Beziehen von Ökostrom die Ökobilanz der Windeln positiv beeinflussen.

Schlussendlich gilt es, die Lebenszeit der Windeln zu verlängern. Jedes weitere Wickelkind, das die Windeln in zweiter Hand nutzt, beeinflusst die Ökobilanz erheblich zum Positiven. Bei Beschädigungen ergibt es mehr Sinn, die Windeln (von uns) reparieren zu lassen und nicht sofort wegzuschmeißen.


Sind Ökowindeln eine Alternative?

Photo by Hasan Almasi on Unsplash

Im Vergleich zu Stoffwindeln sind Ökowindeln nicht wirklich eine Alternative. Ökowindeln bestehen heutzutage maximal aus 80% nachwachsender Rohstoffe. Mehr ist leider noch nicht möglich.Ökowindeln sind demnach auch nicht biologisch abbaubar und selbst wenn sie es wären, dürften sie wegen der Fäkalien nicht in die Biotonne geschmissen werden. Man dürfte sie also höchstens privat kompostieren, wenn man die Möglichkeit dazu hat.

Somit wandern auch Ökowindeln in den Restmüll und müssen, genau wie herkömmliche Einwegwindeln, verbrannt werden.

Im Vergleich zu herkömmlichen Einwegwindeln sind dennoch Ökowindeln zu bevorzugen, da hier wenigstens ein großer Anteil der Rohstoffe nachwachsend ist und aus biologischem Anbau stammt.

An dieser Stelle wollen wir noch eine fragwürdige Ökotest-Studie aus dem Jahr 2018 erwähnen: Darin wurden verschiedene Einwegwindeln getestet. Man sollte meinen, dass bei einer Ökotest-Studie die Inhaltsstoffe und die Herkunft der Ressourcen eine vorrangige Rolle spielen. Andere Faktoren, wie Haptik und Anwenderfreundlichkeit, sollten bei Ökotest eigentlich nachrangige Bewertungskriterien sein. Allerdings sieht man das bei Ökotest scheinbar nicht so. Im besagten Test haben sich herkömmliche Einwegwindeln gegen Ökowindeln durchgesetzt, obwohl sogar die Inhaltstoffe der herkömmlichen Windeln gerügt und die Schadstofffreiheit von Ökowindeln gelobt wurde. Anwenderfreundlichkeit und die Weichheit der Windeln sind scheinbar wichtigere Gründe als Inhaltsstoffe. Herkunft und Nachhaltigkeit der verwendeten Rohstoffe wurden bei dieser Ökotest-Studie gar nicht beachtet. Bei einem Warentest könnte man das ja alles noch nachvollziehen, aber nicht bei einem Ökotest!

Deswegen ist unsere Antwort auf die Frage:

Einen ausführlicheren Bericht zu dem Thema findet ihr auf unserer Seite Ökobilanz von Stoffwindeln und Einwegwindeln.