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Gastbeitrag von "Story of my Shirt" - Alexandra O'Donovan

Von Chefin 19. November 2015 4821 mal angesehen

Ich freue mich sehr Euch heute einen Gastartikel präsentieren zu dürfen :-)

Ich habe Alexandra O'Donovan, Bloggerin von storyofmyshirt eingeladen, über sich, Ihre Upcycling-Projekte und den Wert des Wiederverwendens zu schreiben.

Auf ihren Blog bin ich eher zufällig gestossen – und dann lange dort hängengeblieben ... Daher freue ich mich sehr, dass ich Euch Alexandra auf meinen Blog vorstellen darf.

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Liebe Alexandra, würdest Du Dich bitte vorher noch kurz vorstellen?

 „Ich habe eine Ausbildung zur Damenmaßschneiderin, habe Theater-und Literaturwissenschaft studiert und habe als Kostümbildnerin im Theater und beim Film gearbeitet. Ich bin dann nach dem Studium in der Filmbranche geblieben, allerdings nicht mehr am Set, sondern eher im Büro als Lizenzeinkäuferin. In meiner letzten Elternzeit habe ich den Wunsch gespürt etwas zu erschaffen, was wirklich voll und ganz von mir ist, weil ich gemerkt habe, dass ich in meinem Angestelltenjob aufs Abstellgleis geraten bin. Also habe ich mit dem Bloggen angefangen und einfach nur so meine privaten Projekte vorgestellt und habe die Geschichten der Vorbesitzer der upgecycelten Stücke erzählt. Das hat sich irgendwie so gut entwickelt, dass ich jetzt todesmutig versuche aus der Idee für den Blog ein kleines Label zu entwickeln.

Ich begeistere mich für Design, Kunst und Handwerk, liebe Lebensgeschichten und ich begeistere mich nach wie vor für das Kino und für Literatur. Ich habe 2 Kinder (5 und 1) und einen Mann, der mich von Anfang an  mit meiner Idee begeistert unterstützt hat.

Danke :-) Und nun freue ich mich auf Deinen Beitrag über Upcycling :-)

 

Was haben denn Stoffwindeln mit Upcycling zu tun?

„Auf den ersten Blick scheint es, als ob wir nicht wirklich zueinander passen würden, denn warum sollte eine Upcycling Designerin einen Gastbeitrag bei der Windelmanufaktur schreiben? Wenn man jedoch genauer hinsieht, kann man sehr schnell einige Gemeinsamkeiten feststellen:

 Mit Upcycling Müll vermeiden

Mit meinem gerade entstehenden Label story of my shirt - Alexandra O’Donovan stelle ich aus alter Lieblingskleidung neue Kleidungsstücke in purem und zeitlosen Design her. Es entstehe individuelle Einzelstücke mit viel Liebe zum Detail und handwerklicher Präzision. Dabei versuche ich nur das Material der abgelegten Kleider zu verwenden und sowenig wie möglich neues Material dazu zu kaufen.

Warum mache ich das? Ich bin gelernte Damenmaßschneiderin und habe lange im Theater und beim Film gearbeitet. Schon seit jeher interessiere ich mich für Design, Mode und Kostüm. Beim Upcycling von abgelegten Kleidungsstücken stellt sich mir eine besondere Herausforderung, da ich aus sehr begrenztem Material ein neues Kleidungsstück herstellen will, dem man nicht ansieht, dass es wiederverwertete Kleidung ist. Meine Kreationen sollen durch Minimalismus, ungewöhnliche Schnittführung und liebevolle Details wirken. Schaut Euch mal mein Kleid an....

Ich möchte gerne mein Verständnis von gutem Design mit Nachhaltigkeit verbinden und verwende deshalb Material, das es im Warenkreislauf schon gibt und nicht erst neu hergestellt werden muss. Anstatt Altkleider achtlos wegzuwerfen oder in die Altkleidersammlung zu geben, verlängere ich ihr Leben, indem ich die Kleider zerschneide, umforme, verbinde und so etwas Neues erschaffe. Ich glaube, wenn man die Gebrauchszeit für Gegenstände durch Reparatur oder Änderungen verlängert, so kann man einigen Müll vermeiden. Ressourcen werden geschont, indem man vermeidet neues Material zu kaufen. Hier ein paar Beispiele:

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Aus den beiden alten Mänteln habe ich auf Wunsch einer Kundin einen neuen Mantel mit einer gänzlich anderen Schnittführung geschaffen - so kann sie Ihre Erinnerungen noch viele Jahre bei sich tragen.

 

Kleidung verknüpft mit Erinnerungen

Darüber hinaus ist Kleidung nicht nur einfach Stoff, der uns warm hält oder uns schmückt, sondern Kleidung ist auch oft der Stoff in den Erinnerungen eingeschrieben werden. Ereignisse werden mit Kleidung verknüpft, zum Beispiel das Taufkleid, das Jäckchen, das das neuangekommene Baby auf dem Nachhauseweg aus dem Krankenhaus oder Geburtshaus trägt oder das Outfit für den ersten Schultag…die Liste liesse sich unendlich fortsetzen! Das sind Kleidungsstücke, an die man sich erinnert, weil sie mit hochemotionalen Ereignissen in Verbindung stehen. Leider ist es nur oft so, dass diese Kleidungsstücke dann im Schrank verstauben, denn Babys werden groß, die eigene Figur verändert sich und die Sachen können nicht mehr getragen werden.

Anstatt nun etwas Neues zu kaufen und den Kreislauf an Dingen noch einmal zu erweitern, ist es in meinen Augen sinnvoll etwas Vorhandenes aus diesem Kreislauf wieder zu beleben. Umso schöner ist es dann auch, wenn diese wieder tragbar gemachten Kleidungsstücke gleichzeitig Erinnerungsstücke an schöne Erlebnisse sind. So werden Erinnerungen auf eine besondere Art bewahrt. Aber auch eine Stoffwindel, die möglicherweise für das nächste Baby oder das Baby der Freundin aufbewahrt wird birgt Erinnerungen an eine ganz besondere, intensive Zeit. Durch die Außenwindel mit den verschiedensten Prints und Farben ist es aber nicht nur ein nachhaltiges Produkt, das Müll vermeidet, sondern einfach auch ein wunderschön designtes Babymode Zubehör. Mit so einer Windel möchte man dem Baby doch gar keine Hose mehr anziehen!

Der Kreislauf der Altkleider

Nicht immer ist eine Wiederverwertung von abgelegter Kleidung jedoch möglich und man will die alten Sachen einfach nur loswerden und bringt sie in die Kleidersammlung. Hier endet für uns selbst der Kreislauf unserer Kleidung, aber die Reise für die abgelegten Sachen geht natürlich noch weiter. Auf der Seite des Deutschen Roten Kreuzes, die deutschlandweit Kleider sammeln, kann man sehr gut nachlesen, wo die Altkleider landen, nachdem sie im Container verschwunden sind. Hier wird zum Beispiel erklärt, dass nur die Hälfte der gespendeten Kleidung wirklich noch tragbar ist, so dass sie an Hilfsbedürftige weitergegeben werden kann. 55% der Spenden werden nach Afrika, Osteuropa oder den Nahen Osten verkauft, 35% ist nicht mehr tragbar und wird an Recyclingfirmen verkauft, um daraus Dämmmaterial oder Putzlappen herzustellen, 10% ist Abfall. Weiterlesen könnt Ihr dazu hier beim DRK.

Durch Bewusstmachung zum nachhaltigen Konsum

Vergleicht man nun meine Arbeitsweise mit dem Prinzip der Stoffwindel sieht man relativ schnell, wie nah beieinander unsere Einstellungen sind. Mit der Verwendung einer Stoffwindel wird unglaublich viel Müll vermieden, wenn man bedenkt, dass ein Kind ca. 6000 Einwegwindeln verbraucht bis es trocken ist. Genaue Zahlen und eine Gegenüberstellung der Kosten von Einwegwindeln und Stoffwindeln hat Stephanies Mann Volker in ihrem Blog Beitrag beschrieben.

Die Bewusstmachung was mit den Dingen passiert oder woher Dinge kommen, die wir in unserem täglichen Leben verwenden, ist ein wichtiger Schritt hin zu einem achtsamen Umgang mit unseren Ressourcen und einem nachhaltigeren Konsum. Aber auch zu einem achtsamen Umgang mit den Dingen, die wir täglich benutzen. Die Stoffwindel will vorsichtig behandelt und gewaschen werden, damit sie lange gut erhalten bleibt. Das gilt genauso für den Lieblingspullover, behandelt man ihn nicht richtig, so ist er bald verwaschen und untragbar. Diese achtsame und bewusste Haltung erstreckt sich dann auch nicht mehr nur auf Windeln und Kleidung, sondern findet sich auch schnell beim Einkauf von Lebensmitteln, Spielsachen oder Kosmetik wieder. Es ist möglich auch im täglichen Leben Ressourcen zu schonen, indem man versucht Müll zu vermeiden. Sei es durch den Kauf von langlebigen Produkten, durch Wiederverwendung von schon Bestehendem oder aber auch durch Verzicht von Produkten, die unnötig verpackt sind.

Es ist gar nicht so schwer und tut uns und unserer Umwelt gut! Und wenn man dabei dann auch noch stylisch aussieht, dann sind Stephanie und ich zufrieden…“

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Danke liebe Alexandra! Ich liebe Deinen Blog und bin total inspiriert mir meine Altkleiderkiste vorzunehmen und etwas schönes daraus zu nähen. Danke!!