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Vom Fischernetz zur Badehose – wie wir mit unseren Schwimmwindeln die Weltmeere retten

Vom Fischernetz zur Badehose – wie wir mit unseren Schwimmwindeln die Weltmeere retten
Von Stephanie Oppitz 12. Oktober 2018 17645 mal angesehen

Bei der WindelManufaktur geht es nicht nur um die nachhaltigen Produkte, die wir produzieren. Es geht auch um das Statement, das wir damit setzen! Bei uns steht der Umweltschutz ganz klar im Vordergrund. Mit unseren Stoffwindeln, Flanelltüchern und Wickelunterlagen könnt ihr soooo viel Plastikmüll vermeiden. Aber was noch viel besser ist: Ab sofort könnt ihr mit unseren Schwimmwindeln die Weltmeere vom Plastikmüll befreien! Wie? Das erkläre ich euch hier im Blog.


Ich liebe Verantwortung!

Schon bevor ich die WindelManufaktur gegründet habe, wollte ich die Welt verändern und Verantwortung übernehmen. Verantwortung für unsere Umwelt, für Nachhaltigkeit, für meine Familie und andere Menschen. Ich spürte einfach den inneren Drang, Sachen selbst in die Hand zu nehmen und das was mich stört, zu verbessern. Dieser Drang durchzieht nach wie vor meine gesamte Lebensphilosophie und überträgt sich natürlich auch auf die Firma.

Wichtigstes Ziel: Ressourcenschonung

Mit meinem ersten Kind, Alexander, war ich damals beim Babyschwimmen. Wie die meisten Mamas hatte ich geradezu Angst davor, dass mein Kind in den Pool kacken könnte. Der Griff zur Einweg-Schwimmwindel war die logische Folge - und wer einmal diese Wegwerfwindeln benutzt hat weiß auch: Nach einer Runde im Pool muss man diese auch wirklich wegwerfen. Trocknen und wiederverwenden geht definitiv nicht.

Den Stuhl meines Sohnes mussten die Schwimmwindeln zum Wegwerfen jedoch niemals aushalten. Denn es ist höchst unwahrscheinlich, dass sich Kinder im Wasser entleeren. Es passiert zwar ab und an - aber bei weitem nicht in dem Umfang und in der Häufigkeit, wie man sich das vielleicht vorstellt. Denn durch den Wasserdruck werden Pipi und Kacka zurückgehalten.

Bei einigen Schwimmbädern sind diese Schwimmwindeln zum Wegwerfen übrigens damals schon verboten gewesen. Nach viel Recherche habe ich verstanden, warum: Es gehen kleinste Teilchen aus dem Saugmaterial über in das Wasser und verstopfen die Pumpen. Ich finde den Gedanken, dass ich in diesen Teilchen ja dann auch bade, schon ganz schön befremdlich….

Wenn man den Mülleimer im Schwimmbad NACH dem Babyschwimmen sieht wird einem auch ein wenig anders. So viel Müll! Eine Wegwerfwindel von vor dem Schwimmen, dann die Schwimmwindel und dazu die Feuchttücher. So viel Müll, der einfach nicht sein muss.

Als unsere ersten Schwimmwindeln dann in den Shop kamen, war ich natürlich total happy, dass dieser Meilenstein geschafft war. Trotzdem dachte ich damals schon weiter. Badeanzugstoff aus Polyamid und Elasthan ist zwar gut und schön, aber er verbraucht in der Herstellung auch wieder Rohstoffe wie Erdöl, Wasser und Energie. Also recherchierte ich, ob es nicht auch nachhaltigere Stoffe für Bademoden gibt. Lange. Und ich bin tatsächlich fündig geworden!


Schwimmwindeln aus recycelten Fischernetzen

Der beste Stoff für das Babyschwimmen ist speziell für den Einsatz im Chlor ausgerichteter Stoff. Er sollte nicht nur chlorresistent sein, sondern auch vor der UV-Strahlung der Sonne schützen. Badeanzugstoff, wie wir ihn kennen, besteht typischerweise aus Nylon, also einer Mischung aus Polyamid und Elasthan.

Nylon war in der Geschichte der Textilindustrie die erste Faser, die vollständig synthetisch aus Kohlenstoff, Wasser und Luft hergestellt wurde. Nylonfasern stecken in Zahnbürsten, in Strumpfhosen, auf Teppichen in Form von „Flor“ und treiben im Meer als Fischernetze umher. Letztere werden dann zum Problem, wenn sie beim Fischfang verloren gehen und als sogenannte „Geisternetze“ zur tödlichen Gefahr für Schildkröten, Delphine und Co. werden.



Die Medien - und auch mein Feed bei Instagram und Facebook - sind voll von den Berichten über furchtbare Mengen an Plastikmüll in unseren Meeren!! Laut WWF gehen allein in der Ostsee jährlich etwa 10.000 Netze oder Teile davon verloren. „Etwa ein Zehntel des weltweiten Kunststoffmülls im Ozean besteht aus Geisternetzen“, so der WWF (Quelle). In den letzten Jahren haben verschiedene Natur- und Umweltschutzorganisationen Projekte gestartet, die Geisternetzte aus den Meeren zu bergen. Der WWF hat zum Beispiel im Sommer 2016 ein 1,5 Tonnen schweres Schleppnetz aus der Ostsee geholt. Aber auch privatwirtschaftliche Unternehmen beteiligen sich mit Projekten an der Lösung des Problems.


Gesunde Meere - vom Müll zur Kleidung

So zum Beispiel das Unternehmen Aquafil aus Italien, welches als führendes Unternehmen in der Kunstfaserindustrie ein Verfahren entwickelt hat, das Abfälle - insbesondere Fischernetze und andere Meeresabfälle - für die Textilproduktion wiederverwertet. Dank der gemeinnützigen Initiative „Healthy Seas, a Journey from Waste to Wear“ werden die gesammelten Meeresabfälle von Aquafil zu ECONYL®-Garn regeneriert, das dann zur Herstellung neuer Produkte wie Socken, Badebekleidung, Unterwäsche und Teppiche verwendet wird. 100% recycelt ist dabei der Polyamid-Anteil und es ist wirklich alles aus Sachen, die schon eine erste Nutzung hinter sich haben. Und so funktioniert das Ganze:

(Quelle: http://www.econyl.com/the-process/)


Das Besondere an diesem Garn: seine überragende Qualität! Es ist doppelt so beständig gegen Chlor und Sonnencremes und Öle als andere Garne und zudem haben die Stoffe einen UV-Schutz-Faktor von 50. Unsere Schwimmwindeln „Schwalben“ sind aus genau diesem ECONYL®-Garn und zukünftige Schwimmwindeln der WindelManufaktur werden es ebenfalls sein.

Schwimmwindel "Schwalben"

Cool, oder? Das heißt, beim Kauf einer WindelManufaktur-Schwimmwindel aus ECONYL® tragt ihr dazu bei, den Plastikmüll in der Nordsee, der Adria oder im Mittelmeer zu reduzieren! Glaubt ihr nicht? Hier ist der Beweis:


Weitere Informationen zur Healthy Seas Initiative


The future is circular

Wir müssen nicht unbedingt weniger konsumieren, um unseren Planeten zu schützen. Wir müssen nur verantwortungsbewusster konsumieren und genau hinschauen, WAS wir konsumieren. Sich vor einem Kauf über ein Produkt zu informieren ist dabei das A und O. Woher kommen die Rohstoffe, wurde es fair produziert und ist die Qualität so gut, dass es auch über mehrere Jahre hält?

Die Abfälle für unsere Schwimmwindeln kommen alle aus Europäischen Gewässern. Das ECONYL® Garn wird in Italien von der Firma Carvico produziert und den Stoff lassen wir dann in Sachsen in der Nähe von Dresden bedrucken. Also alles Made in Europe nach dem Credo: „Think global, act local!“

Einige Unternehmen stellen bereits nachhaltige Produkte aus ECONYL® Nylon her. Uns Konsumenten hilft es dabei, den Kreislauf zu schließen. Denn ECONYL® ist unendlich recycelbar, kann immer und immer wieder zu neuen Produkten verwertet werden. Aber natürlich müssen wir weiterhin auch darauf achten, verantwortungsbewusst mit unseren Abfällen umzugehen, sie nicht einfach achtlos in die Natur zu werfen oder falsch zu trennen.

Ich hoffe, dass sich dieses Bewusstsein so schnell es geht auch in den Ländern verbreitet, in denen aufgrund einer mangelhaften Abfallpolitik und -wirtschaft der Müll im großen Maß auf der Straße und in Gewässern landet. Diese riesigen Müllteppiche in den Ozeanen machen mich sprachlos und bei den vielen Tieren, die dadurch ums Leben kommen, könnte ich einfach nur heulen. Aber solange es Menschen gibt, die dagegen etwas unternehmen, habe ich immer noch Hoffnung, dass es irgendwann wieder besser wird. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt…


Wie seht ihr das? Habt ihr das Gefühl, mit euren Kaufentscheidungen die Welt zu verbessern oder denkt ihr „das ist doch eh nur ein Tropfen auf dem heißen Stein?“ Ich freue mich auf eure Gedanken und Sichtweisen in den Kommentaren.


Quellen und weitere Informationen:

NABU: Plastikmüll und seine Folgen - Abfälle bedrohen Vögel, Delfine und Co

Wikipedia: Polyamide, Nylon

Wikipedia: Geisternetz

Healthy Seas Initiative

Healthy Seas - A journey from waste to wear

Aquafil Nachhaltigkeitsbericht 2016

Kritischer Konsum: Kann Einkaufen die Welt verbessern?