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Wassersparen - Einem Mythos auf der Spur. Wie sinnlos in Deutschland das Sparen beim Wasserverbrauch ist.

Wassersparen -  Einem Mythos auf der Spur. Wie sinnlos in Deutschland das Sparen beim Wasserverbrauch ist.
Von 28. März 2017 28434 mal angesehen

Wir haben am Wochenende eine Führung im Klärwerk gemacht und erfahren, dass Wassersparen vollkommen sinnlos ist.

Halt!! Wassersparen soll sinnlos sein?

Ich habe doch mein ganzes Leben gelernt, dass jeder Tropfen Wasser unendlich wertvoll ist und habe mir einige äußerst pingelige Wassersparroutinen angewöhnt... Davon mal ganz zu schweigen, dass wir eine supersparsame Toilettenspülung haben (die so sparsam und so neuartig ist, dass selbst der Klempner davor kapituliert, weil "soweit treibt es hier sonst keiner" und die ständig zu reparieren ist, weil sie eben doch nicht so gut ausgedacht ist), immer beim Zähneputzen/Händewaschen zwischendrin das Wasser ausmachen etc. Meine Omi sammelte sogar das alte Waschmaschinenwasser noch auf, um es ein zweites Mal z. B. zum Schrubben vom Hof zu verwenden.

Wenn man mal "Wasser sparen" googelt findet man ca. 500 000 Ergebnisse - allen voran der WWF und unzählige Seiten, die sich AUSSCHLIESSLICH mit dem Wassersparen beschäften. Offenbar ist jeder der Meinung, man muss Wasser sparen. Und die einzelnen Tipps sind genau die Dinge, die wir seit jeher berücksichtigen: Duschen statt baden, Wasserspartaste am Klo, Durchflussbegrenzer am Waschbecken... Können die sich alle irren?

Ich hatte bei Facebook gefragt, was meine Follower so für Erfahrungen gemacht haben mit der Aussage, dass das Sparen von Wasser sinnlos ist und war total überrascht über die vielen informierten und faktenreichen Posts, warum das wirklich so ist. Viele haben mich gebeten, das Thema genauer zu recherchieren und darüber zu schreiben. Dieser Blogbeitrag ist nun das Ergebnis.

Im Klärwerk Dresden-Kaditz kann man Führungen besuchen und sich von den Mitarbeitern der Abwasserwirtschaft Dresden genau erklären lassen, wie und wo das Dresdner Abwasser geklärt wird. Wir hatten natürlich unsere Kinder dabei und die Führung war super gemacht und alles wurde prima erklärt. Immer wieder hat die Mitarbeiterin Wasserproben genommen und den Kindern anschaulich erklärt, was und wie gerade geklärt wird.

Bildquelle: https://www.stadtentwaesserung-dresden.de/


Die wichtigste Erkenntnis bei mir nach dieser Führung war, dass wir in Deutschland kein Wasser sparen müssen - auch nicht sollten!


Wassermenge

Damit die Feststoffe auch wirklich von eurem Zuhause bis ins Klärwerk gespült werden, braucht man ein gewisses Gefälle und eine gewisse Wassermenge. Die Abwasserkanäle sind auf einen bestimmten Durchfluss hin optimiert. Jetzt ist es aber so, dass wir nicht nur viel viel weniger Wasser benutzen (in Dresden konkret 1/3 weniger als noch 1990) sondern auch viel mehr feste Sachen heruntergespült werden (dickeres Klopapier, Essensreste, Damenhygiene, Feuchttücher - und das sind noch die "normalen" Sachen...). Die Abwasserwirtschaft muss mit Frischwasser nachspülen. Wassersparen ergibt also schon mal von diesem Punkt her keinen Sinn.

Bildquelle: https://www.stadtentwaesserung-dresden.de/


Geld sparen

Und dann der finanzielle Aspekt: Durch die kommunale Umlage der Abwasserkosten bezahlt ihr dieses Frischwasser auch mit - entweder es geht über den Verbrauch oder den Grundpreis. Ist also auch egal.

In der ZEIT wird das noch besser beschrieben: "Doch die Deutschen sparen ja nicht nur aus falsch verstandenem Umweltbewusstsein, sondern auch aus wirtschaftlichem Kalkül. Die Wasserwerke berechnen kaum einen Grundpreis, stellen aber jeden verbrauchten Kubikmeter in Rechnung. Diese Rechnung geht nicht mal für die Wasserwerke richtig auf. Denn die Haushalte nutzen jetzt weniger Wasser, während die Gesamtkosten der Versorgung quasi nicht sinken. Diese Kosten bestehen nämlich fast ausschließlich aus Fixkosten, vor allem für das Rohrnetz, die unabhängig von der Wassermenge anfallen. Weil die Haushalte weniger abnehmen, müssen die Wasserwerke den Preis pro Kubikmeter erhöhen. Das spornt die Haushalte erst recht zum Sparen an. Diese Spirale ließe sich einfach stoppen. Statt pro Kubikmeter abzurechnen, könnten die Wasserwerke von jedem Haushalt eine Pauschale kassieren. Dann würden die Deutschen wohl mehr Wasser verbrauchen – genug, um für Durchfluss in den Leitungen zu sorgen, aber noch weit entfernt von einem Raubbau an den Wasservorkommen. Eingeführt wird eine solche Regelung wohl dennoch nicht. »Mit einer Pauschale würden wir den Kunden signalisieren, dass sie mit Wasser nicht sparsam umgehen müssen«, heißt es bei einem großen deutschen Wasserwerk. Und das sei schlecht, obwohl es eigentlich vernünftig sei. Die umständliche Begründung: »Das wäre zwar beim Wasser korrekt, aber die Leute würden das sorglose Verhalten auf andere Ressourcen übertragen – auch auf solche, bei denen sie wirklich sparen sollten.«


Sinnvoll wären einzig und allein zwei Dinge:

1. Das Rohrleitungsnetz der ganzen Stadt an weniger Wasserverbrauch anpassen. Das ist ein Millionenprojekt und völlig unrealistisch...

2. Die Menschen dazu bewegen, nur noch hinunterzuspülen, was wirklich in die Kanalisation gehört.


Keinen Müll ins Klo werfen!

Bei dem zweiten Punkt können wir wirklich etwas tun! Die Abwasserwirtschaft Dresden hat jüngst eine Aktion ins Leben gerufen, bei welcher es genau um diese Sensibilisierung geht: Unter www.kein-müll-ins-klo.de wird dort beschrieben, was wirklich ins Klo darf. Wahrscheinlich denken jetzt viele, dass es doch total selbstverständlich ist, dass man keinen Müll ins Klo schmeißt. Aber das ist es einfach nicht (und ich habe mich am Sonnabend im Klärwerk davon persönlich überzeugen "dürfen".)

In sehr volksnaher und bildlicher Sprache gibt die Abwasserwirtschaft alles, um die Bevölkerung zu sensibilisieren (Bildquelle: http://kein-muell-ins-klo.de/):

Das kann man sich kaum vorstellen, was die Menschen alles so ins Klo schmeißen... Der Besuch in der Kläranlage hat mir wirklich die Augen geöffnet. Alleine die Feuchttücher sind für sich schon ein massives Problem (aber darüber auch mal in einem späteren Beitrag mehr!). Momentan fischt die Kläranlage Dresden-Kaditz täglich 7000 kg Müll aus dem Abwasser. Müll, der einfach dort nicht hingehört. Alleine hier in Dresden verursachen diese Tücher Mehrkosten von 100.000 € im Jahr und verstopfen jede Woche mindestens zwei Mal die Pumpensysteme so arg, dsas es zu größerem Rückstau führt.



Und warum wird uns dann überall erzählt, wir sollten Wasser sparen?

Der WWF schlägt einige Maßnahmen zum Wassersparen vor ("Sparsames Toilettenspülen spart ebenfalls viele Liter Wasser. Benutzen Sie die Stopptaste und spülen Sie so lange wie nötig und so kurz wie möglich.") Warum, steht leider nicht da, aber es gibt einen Quellenhinweis. Im Fall des WWF führ dieser zu einer Seite, die Dänische Ferienhäuser vermittelt (bin ich die einzige, die jetzt ungläubig den Kopf schüttelt?!) und dort steht dann "Auch beim Wasserverbrauch können Sie bereits mit einer Investition von 1-3 Euro enorme Einsparungen vornehmen. Der sogenannte Perlator wirkt Wunder: Mit diesem am Wasserhahn befestigten Durchflussbegrenzer können Sie jede Menge Liter Wasser und daher auch enorm viel Geld einsparen." - sehr merkwürdig, dass der WWF sich auf solche Quellen mit Werbung für Geräte einlässt. Weiterführend finde ich da leider nichts.

Während wir in Deutschland ausreichend Wasser zur Verfügung haben (welches auch nicht weniger wird!) gibt es natürlich Gegenden auf der Erde, wo quasi jeder Wassertropfen Leben retten kann. Aber leider verschicken wir ja unser Wasser nicht dorthin - die Maßnahmen, die wir ergreifen können um den Wassermangel z. B. in der Sahara zu lindern (unseren Verbrauch von "virtuellem Wasser" zu mindern) haben nichts mit unseren Wassersparmaßnahmen hier in Deutschland zu tun. Warum wir jetzt genau in Deutschland Wasser sparen sollen - dazu finde ich leider nichts.

Auch wenn ich "Warum sollte man in Deutschland Wasser sparen" google, finde ich wenig. Und was ich finde, hat keine Substanz. Aufrufe, aus finanziellen Gründen Wasser zu sparen, gibt es einige - aber wie wir oben gelernt haben ist der tatsächliche Verbrauch für die Wasserkosten nicht relevant, sondern die Fixkosten des Rohrleitungsnetzes müssen umgelegt werden. Ich finde schlicht wirklich keine Gründe, warum wir mit Wasser sparen sollten - in Deutschland herrscht keine Wasserknappheit und es ist auch keine abzusehen.

Das ist auch die Argumentation des Umweltbundesamtes - das Einsparen von Wasser ergibt laut deren Informationsseiten keinen Sinn. (Quelle: Umweltbundesamt)


Das Verringern des Warmwasserverbrauches ist demgegenüber sehr sinnvoll!!

Da will ich gern das Umweltbundesamt zitieren: "In privaten Haushalten profitiert die Umwelt am meisten, wenn möglichst wenig Warmwasser aufbereitet wird. So wird vor allem weniger Energie gebraucht, um das Wasser zu erhitzen. Das Umweltbundesamt schätzt, dass der Energiebedarf für Warmwasser im Schnitt 12 Prozent des Gesamtendenergiebedarfs eines Haushalts ausmacht. Ein Vollbad in der Wanne (200 Liter) kostet übrigens im Schnitt zwischen 3,00 Euro bis 3,70 Euro. Duschen ist deutlich billiger: Bei 10 Minuten Duschen fließen im Schnitt 100 Liter durch die Leitung. Diese zu erhitzen kostet nur die Hälfte. Wer einen wassersparenden Duschkopf einbaut, kann 50 Cent pro Duschgang einsparen. Wer täglich einmal duscht, kann so im Jahr gut 180 Euro pro Person sparen."


Ebenso ist es sinnvoll, an der Wasserverschmutzung zu sparen!

Alles, was die Klärwerke nicht herausfiltern können, landet letztendlich wieder im Wasserkreislauf. Mich hat massiv geschockt, dass hier in Dresden weder Drogenrückstände, noch Hormone, Antibiotika oder irgendwelche anderen Arzneimittelrückstände aus dem vom Wasserwerk in die Elbe abgeleiteten Wasser herausgefiltert werden. Gerade durch die Pille und durch den massiven Einsatz von Antibiotika in den Tiermastanlagen gelangen dort doch ungeheure Mengen an Rückständen in den Wasserkreislauf!

Meiner Familie und mir ist das schon seit Langem irgendwie zu gefährlich. Obwohl unser Trinkwasser ausgiebig getestet wird, bin ich mir unsicher welche Medikamentenrückstände da noch drin sind. Vor vielen Jahren haben wir uns daher für einen zusätzlichen Aktivkohlefilter an unserem Wasserhahn in der Küche entschieden. Habt ihr auch sowas? Welche Erfahrungen habt ihr denn damit gemacht? Und sollte ich darüber vielleicht auch mal schreiben?


Mit der Problematik des von den Deutschen so geliebten sich-selbst-kasteiens und dem daraus resultierenden Sparen hat sich die ZEIT ausgiebig beschäftigt:

Die ZEIT schreibt: "Hans-Jürgen Leist vom Hannoveraner Umwelt-Institut Ecolog sagt: »Die Deutschen nehmen das Wasser viel zu wichtig. Sie verleihen ihm fast eine heilige Aura.« Und sie sparen an jedem Tropfen. Das Ergebnis: Kaum ein anderes Industrieland verbraucht pro Kopf so wenig Wasser wie Deutschland. Leist findet das »absurd«. Denn Wasser ist hierzulande im Überfluss vorhanden. Die Deutschen könnten mit gutem Gewissen mehr Wasser verbrauchen, findet er, und ihre Sparwut könne der Umwelt sogar schaden statt nützen. Ähnlich sieht das Ingrid Chorus, Wasserexpertin im Umweltbundesamt : »Wassersparen gibt den Verbrauchern das Gefühl, dass sie der Umwelt etwas Gutes tun. Aber wenn man das mal rational betrachtet, kommt das dabei in Deutschland nicht heraus.«"

Der Artikel in der ZEIT ist äußerst ergiebig. Dort steht zum Beispiel auch, dass wir wirklich nur aus einem guten Gefühl heraus Wasser sparen - und dass es hier in Deutschland keine rationalen Gründe dafür gibt. Im Gegenteil. Wir schaden damit den Abwassersystemen und verursachen an Stellen Kosten und Probleme, wo wir es wirklich nur gut gemeint haben. "So haben sich schon Zehntausende eine Regenwasserzisterne auf das Dach oder in den Garten gebaut. »Damit ersetzen sie bloß Grundwasser, also Regenwasser aus dem Boden, durch Regenwasser vom Himmel«, sagt Leist. »Das macht für die Umwelt letztlich keinen Unterschied, denn beides sind erneuerbare Ressourcen. Die Zisternen könnten der Umwelt sogar schaden. Denn für ihren Bau würden jede Menge Energie und Rohstoffe verbraucht. Unter dem Strich sei die Umweltbilanz deshalb oft negativ, sagt Leist. »Mit dem Bau einer Zisterne lügt man sich in die Tasche.« In fast jedem Hotelzimmer der Hinweis, nur gebrauchte Handtücher auf den Boden zu legen, und Toiletten mit Spartasten gehören bei den meisten Haushalten zur Grundausstattung."

Die Mitarbeiter im Klärwerk konnten auf die Frage, warum wir nun alle ewig zum Wassersparen aufgerufen wurden (Wasserspartaste an der Waschmaschine, Wassersparen bei der Klospülung etc.), wenn es doch gar nicht so sinnvoll ist, auch nur antworten, dass sie es nicht verstehen. Ihre einzige Idee bzgl. der Hintergründe ist, dass bspw. die Waschmaschinenhersteller sich künstliche Alleinstellungsmerkmale suchen würden bzw. auf das erstmal sichtbarere Einsparen von Kosten über den Kubikmeterverbrauch beim Wasser abzielen würden.


Es gibt auch noch das virtuelle Wasser

Brot für die Welt schreibt: "In Deutschland verbraucht jeder Mensch etwa 120 Liter Wasser pro Tag im Haushalt: beim Kochen, Putzen und Duschen, für die Toilettenspülung, die Wasch- und Spülmaschine. Doch insgesamt verbrauchen wir 40 Mal so viel Wasser am Tag, nämlich rund 5.000 Liter. Diese enorme Zahl beinhaltet den Wasserverbrauch für die Herstellung der Nahrungsmittel und Güter, die in Deutschland tagtäglich jede Person im Schnitt konsumiert. Diese Wassermenge heißt virtuelles Wasser, weil es nicht unmittelbar zu sehen ist. Verbraucht wird es dennoch, oft in den ohnehin wasserarmen Regionen der Erde."

Über virtuelles Wasser finde ich mehr heraus. Sehr hilfreich ist die Seite http://www.virtuelles-wasser.de/. Sie wird unterstützt vom Bund und bietet wirklich ausreichend Informationen. (Virtuelles Wasser ist so spannend! Ich werde in einem anderen Beitrag darüber berichten :-))

FAZIT: Wir sollten virtuelles Wasser sparen! Das geht mit Stoffwindeln und nachhaltiger Hygiene glaube ich sehr gut, da wir damit die Ressourcen in den Herstellerländern der Wegwerfwindeln schonen.


Leider versucht die EU gerade, den Deutschen noch wassersparendere Ausrüstungen vorzuschreiben. Spiegel Online hat einen ausführlichen Artikel darüber geschrieben. Dort heißt es: "Wer den Deutschen wassersparende Brausen aufzwingen will, könnte nach der gleichen absurden Logik auch den Südspaniern vorschreiben, nachmittags im Interesse Nordfinnlands kein Sonnenlicht mehr ins Haus zu lassen. "Solche Pläne machen für Deutschland also keinen Sinn", sagt VKU-Hauptgeschäftsführer Hans-Joachim Reck, ehemals Bundesgeschäftsführer der CDU. "Vorschriften dieser Art sind für die Deutschen teuer und für die Umwelt sinnlos", sekundiert Gunda Röstel, ehemaliges Mitglied des grünen Bundesvorstands und jetzige kaufmännische Chefin der Dresdner Stadtentwässerung. Eigentlich, sagt Martin Weyand aus der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft, müsste man den Spieß umdrehen. "Eigentlich wäre es nämlich besser, die Deutschen würden etwas mehr statt weniger Wasser verbrauchen." In dem Artikel steht weiterhin, dass viele Abwasserverbände jetzt schon teure Gel-Matten in die Leitungen hängen müssen, weil der zu geringe Durchfluss zu Geruchsbelastungen in den umliegenden Vierteln sorgt. Selbst das Trinkwasser fließt wegen der geringeren Nachfrage mancherorts so extrem langsam, dass besondere Geräte eingebaut werden müssen, um die Qualität zu erhalten. Die Firma Gelsenwasser z.B. muss in Gelsenkirchen tagtäglich ca. 800.000 Liter Wasser aus Hydranten ablassen und in das Netz einleiten - nur so kann das Trinkwasser genießbar bleiben.



Was sagt ihr dazu, wer hat da was beizusteuern? Uns hat das vollkommen umgehauen. Ab jetzt haben wir kein schlechtes Gewissen mehr, wenn die Kinder z. B. beim Zähneputzen das Wasser laufen lassen.

Was für uns aber noch viel wertvoller ist, ist die folgende Erkenntnis:

Es ist völlig irrelevant, wie viel Wasser Stoffwindeln beim Waschen verbrauchen. Es zählen ausschließlich Energie- und Waschmittelverbrauch bei der Reinigung. Und damit haben wir auf einen Schlag eines der am häufigsten gegen nachhaltige, textile Hygiene und Stoffwindeln verwendete Argument entkräftet!

Reni 28. März 2017 at 21:31
Mein Mann erklärt mir seit nun mehr 11 Jahren ich soll kein Wassersparen wegen den Rohren, nur leider sitzt da auch die Stimme meiner Eltern die sagen lass das Wasser nicht laufen. Will sagen aus dem Sparzwang raus ist ein weiter Weg. Aber ich werde gelassener.
Stephanie Oppitz 29. März 2017 at 14:58
Das ist bei mir auch so......Alte Gewohnheiten lassen sich schlecht ändern....
Ina 28. März 2017 at 21:49
Sehr interessant und im Prinzip mir auch bekannt gewesen, wenn auch oft nicht bewusst.
In einem kann ich allerdings nicht zustimmen: solange ein Großteil der Kosten für das Wässern mit Frischwasser als Erhöhung der m3-Preise umgelegt wird, zählen vor allem die drauf, die schon mehr Wasser nutzen. Von daher stimmt es effektiv gesehen nicht, dass ich aus Kostengründen kein Wasser sparen sollte.
Stephanie Oppitz 29. März 2017 at 14:58
Das stimmt bedingt so. Je weniger jeder verbraucht, umso mehr muss eingeleitet werden. Die Abwasserentsorger müssen einfach die Gesamtkosten umlegen. Sinnvoll wäre das ja als Pauschale - zumindest in Dresden sind es mindestens 80% die Fixkosten durch das Rohrleitungsnetz sind. Wenn ich mir jetzt überlege wieviel Arbeit das Wasserablesen, die Wasseruhren etc. machen wäre eine Pauschale wohl wirklich günstiger, oder?
Michèle Sidler 29. März 2017 at 11:41
Stephanie, vielen Dank für diesen gründlich recherchierten Bericht!

Ich bin total einverstanden bezüglich dem virtuellen Wasser, der Wasserverschmutzung und dem Abfall im Wasser.

Als Herstellerin wassersparender Produkte ist meine Meinung zum Wassersparen an sich natürlich anders.

Ich will niemanden vom Wassersparen überzeugen und stelle einfach mal diese Fragen, die Ihr Euch selber beantworten könnt:

1) Wenn Ihr Euren Wasserverbrauch zu Hause genau anschaut, macht das Warmwasser 11% aus?

2) Wie spart man Warmwasser, ohne auch kaltes Wasser zu sparen? (Warmwasser sparen ist energietechnisch wirklich sinnig, denn zB eine – warme – 5-Minuten-Dusche braucht 3 dl Heizöl)

3) Sollen wir wirklich das wertvollste Lebensmittel der Welt verschwenden wegen veralteter Infrastrukturen?

4) Ist es sinnvoll, mit viel Energie aufwendig zu Trinkwasser aufbereitetes Wasser zu nutzen, um grosse Leitungen auszulasten?

5) Kann man Wasser wirklich als erneuerbare Ressource bezeichnen? Fliesst es nach Klärung und Wiederaufbereitung wieder in gleicher Qualität wie zuvor?

6) Zum zitierten Zeit-Artikel: Stammt das Wasser zB für die Toilettenspülung wirklich aus Grundwasser oder nicht doch aus aufbereitetem Trinkwasser?

7) Welche Interessen vertreten Gegner und Befürworter des Wassersparens und wie wirken sich diese Interessen auf Euch und die Nachkommen aus?

Wer sich dafür interessiert - wir haben hier die häufigsten Fragen und Stellungnahmen dazu zusammengetragen, "Warum Wasser sparen?":
aquaclic.info/warum_wasser_sparen

Schöne Grüsse aus der Schweiz,
Michèle Sidler, AquaClic, dekorative Energie- und Wassersparprodukte Zürich
Stephanie Oppitz 29. März 2017 at 14:55
Liebe Michèle,
vielen Dank für Deine ausführliche Antwort!
Ich will versuchen, da genau darauf zu antworten, ja?

1. Was spielt das denn für eine Rolle, ob das 11% ausmacht?
2. man kann zum beispiel weniger heiß duschen und man kann einfach prinzipiell überlegen ob man wirklich superheißes Teewasser braucht (was man dann eh abkühlen lässt) oder ob 70 Grad zum Beispiel reichen. Man kann die Badewann gleich wohltemperiert einlassen, anstatt zu warten bis es abkühlt. Das sind total plausible Einsparmöglichkeiten von Energie die zum Wasserheizen benutzt wird.
3. Das ist ja eben der Irrglaube. Wir verschwenden das Wasser ja nicht. Wir können zum Beispiel auch kein Sonnenlicht verschwenden, bloß weil wir draußen lesen. Oder mit Windenergiekraftwerken Windenergie verschwenden. Es kann in Deutschland nicht verschwendet werden.
4. Nein, das ist sicher nicht sinnvoll. Jedoch ist es so: solange die Wasserwirtschaften Trinkwasser in die Rohrleitungssysteme einlaufen lassen müssen (um sowohl das Frischwassernetz mit genügend Durchlauf zu belasten um die Trinkwasserqualität zu erhalten, als auch um genügend Fließgeschwindigkeit im Abwassernetz zu erhalten) ist es egal ob ich persönlich das Wasser abnehme oder die Wasserwerker an einem Hydranten Tausend Liter ablassen. Das Wasser muss in das Netz, und das ist eine Tatsache. Erst wenn das Rohrleitungsnetz verkleinert ist macht es Sinn, Wasser zu sparen.
6. Das Wasser ist eine erneuerbare Ressource, jedenfalls nach den Informationen die ich gefunden habe. Ich würde mich aber sehr über anderslautende Quellen freuen wenn Du welche hast und diese hier gern in den Beitrag mit aufnehmen.
7. Das weiß ich nicht, welche Interessen diese vertreten. Da kannst Du uns bestimmt mehr darüber erzählen. Würdest Du das bitte tun? Ich habe keine Ahnung, was Du damit meinst.


Zu den Gründen auf Deiner Seite warum man Wasser sparen sollte:
Wasser wird in vielen Ländern wieder aufbereitet und gefiltert, und ist dann auch wieder trinkbar. Wenn Du andere Quellen freue ich mich sehr über diese Informationen, ich bin ja kein Wasserexperte sondern lese mich ein.

Das Wasser in Deutschland kommt aus Flüssen und vom Regen - ob die Gletscher schmelzen oder nicht scheint mir nicht von großer Bedeutung zu sein für unsere nationalen Wasservorräte.

Du berufst Dich in einem Punkt auf die Cloaca Maxima und das sich da nichts tun würde in der Wasserwirtschaft. Sorry, aber ich halte das für nicht richtig. Die Wasserwirtschaft macht sehr große Fortschritte - und das nicht nur in der Forschung. Wie viele modernste Prozesse in der Wasserklärung benutzt werden kannst Du Dir gern mal bei einer Führung im Klärwerk ansehen. Ich denke z.B. an die verschiedensten Bakterien und was die alles herausfilten können, das ist Wahnsinn!

Das es keine Ferienwohnungen gäbe wenn es so ungünstig wäre wenn wenig Wasser abgenommen würde - das müsstest Du mir bitte genau erklären. Was hat das eine mit dem anderen zu tun?

Alles in allem wiedersprechen Sie auf ihrer Seite einigen Dingen, die ich über die Kosten des Rohrleitungsnetzes herausfinden konnte. Ich freue mich dann über Ihre Antwort auf meinen Kommentar.

Sicher haben Sie Recht, dass es Irrsinn ist, Wasser zu verbrauchen um das Kanalnetz auszulasten. Aber es geht nicht wirklich darum, das Netz "auszulasen", sondern es seiner Auslegung entsprechend auf einem Mindestniveau zu benutzen - sprich, genau so viel durchfließen zu lassen dass z.B. die festen Fäkalien wirklich im Klärwerk ankommen. Erst, wenn diese Rohre samt und sonders verkleinert sind ergibt es Sinn, Wasser zu sparen.
Feli 30. März 2017 at 09:51
Wow, vielen lieben Dank für den tollen Artikel! Hatte das schon lange im Verdacht und so diffus "im Gefühl", dass Wassersparen bei unserem schönen Klärwerkekreislauf und in Nordeuropa allgemein sinnlos ist, aber die Recherche zu den Hintergründen ist super interessant! Auf jeden Fall was zum nachdenken und weitersagen. :)
Stephanie Oppitz 30. März 2017 at 12:48
Total gern!! War für mich auch alle neu und spannend.
Claudia 31. März 2017 at 15:08
Ich finde diesen Beitrag einseitig beschrieben und kurzfristig gedacht, aber das Meinungsbild verständlich, wenn man einen Klärwerkbetreiber befragt.

Unser Kanalsystem gehört einer veralteten Infrastruktur an. Und es gibt genug Möglichkeiten daran etwas zu ändern. Straßen und Fußgängerwege, unter denen unsere Kanalisationsleitungen verlegt sind, werden regelmäßig aufgebrochen, um z.B. schnellere Leitungen für Internet zu verlegen. Warum dann nicht Stück für Stück eine Erneuerung unserer Kanalisation vorgesehen? Alles auf einmal ist natürlich nicht möglich und utopisch. Kosten sollten dabei ebenfalls keine Rolle Spielen, schließlich werden jedes Jahr Millionen (oder auch Milliarden) in unseren Straßenausbau gesteckt. Das liebste Bauprojekt der Deutschen. Und was kostet egientlich die Energiewende? SIe lässt Atomkraftwerke und Braunkohletagebaue auch bald als veraltete Infrastruktur da stehen. Klar gibt es Befürworter, die sagen, wir haben so viel Geld da reingesteckt, wir sollten das erhalten. Ähnlich ist es bei einem Kläranlagenbetreiber, der sagt, man sollte mehr Wasser verbrauchen.
Der Wasserkreislauf funktioniert nicht 1:1. Ich nehme 10 Liter Wasser aus der Leitung, die werden aufbereitet und irgendwann gelangen die gleichen 10 Liter wieder zu mir zurück. Was passiert aber mit dem Wasser, was ich für meine Balkonpflanzen nutze? Häufig wird Trinkwasser aus Grundwasser gewonnen. Dieser immer steigende Grundwasserentnahme führt zum einen zum Schwinden unserer Wasserressourcen zum anderen trägt es auch zum Anstieg des Meeresspiegels bei (http://www.nationalgeographic.de/aktuelles/mensch-traegt-betraechtlich-zum-anstieg-des-meeresspiegels-bei). Aus unserem Grundwasser (Süßwasser) wird also irgendwann Meereswasser (Salzwasser). Um das Salzwasser wieder für Pflanzen, Tiere und den Menschen nutzbar machen zu können, muss wohl erheblich viel mehr Geld in die Hand genommen werden, als regelmäßig unsere Kanalisationen durchspülen zu lassen (meine Theorie). Außerdem haben immer mehr Auensysteme mit sinkenden Grundwasserspiegeln zu kämpfen. Das hängt im besonderen mit der Begradigung der Flüsse zusammen (auch eine veraltete Infrastrukturmaßnahme), aber auch mit der steigenden Entnahme.

Zusätzlich zeigt sich, dass auch Deutschland durch den Klimawandel nicht mehr zu den begünstigen Regionen in Bezug auf Niederschlag zählt. Bereits vor zwei Jahren musste im Bayerischen Wald Trinkwasser per LKW geliefert werden, damit die Menschen augrund von Wasserknappheit versorgt waren http://www.augsburger-allgemeine.de/bayern/Gemeinden-im-Bayerischen-Wald-geht-das-Trinkwasser-aus-id35985677.html). Sicherlich geht es Deutschland trotzdem noch besser als vielen anderen Gegenden auf der Welt.

Ich stehe weiterhin dazu, Wasser zu sparen und mit dieser lebenswichtigen Ressource sorgsam umzugehen.
Stephanie Oppitz 3. April 2017 at 10:12
Hallo Claudia,

vielen Dank für Deine Antwort und Deine Ausführungen!

Weil ich eben nicht nur den Klärwerksbetreiber gefragt habe, ist mein Artikel ja auch so lang geworden. Du findest darin als Quellen nicht nur das Bundesumweltamt, sondern auch diverse andere Medien (Zeit, Spiegel online) die das Thema von verschiedenen Seiten aus beleuchtet und ausführlich recherchiert haben.

Eine Erneuerung der Kanalisation und Verkleinerung der vorhandenen Rohre ist der absolut richtige Weg, da gebe ich Dir total recht. Solange dies aber noch nicht geschehen ist, ist das Endkundensparen von Wasser eine Illustion, denn das Wasser muss dann eben von den Wasserwirtschaften eingeleitet werden.

Das Wasser, was Du für Deine Balkonpflanzen nutzt wird teilweise in der Pflanze gespeichert und verdunstet teilweise. Dieses Wasser geht nicht verloren, es wird an unterschiedlichen Stellen wieder in den Wasserkreislauf eingespeißt (du isst eine Tomate und pullerst die Feuchtigkeit heraus, du kompostierst die Stengel etc..).

Das es mal zu kurzfristiger regionaler Knappheit von Wasser kommen sind Extremsituationen und haben mit einer Wasserknappheit in Deutschland nichts zu tun.

Es geht auch in dem Artikel nicht darum, zu bewerten ob man mit Wasser nicht grundsätzlich sparsam umzugehen. Ich beschreibe genau, dass es bei dem jetzigen Stand der Abwasser- und Trinkwassernetze einfach völlig sinnlos ist, dies zu tun. Jeder Liter, den Du weniger abnimmst, muss an anderer Stelle z.B. direkt vom Hydranten aus eingespeist werden. Da wäre es sinnvoller, statt Wasser zu hause zu sparen für eine Rohrverkleinerung zu demonstrieren.