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Die Entwicklung unserer Schwimmwindel

Die Entwicklung unserer Schwimmwindel
Von Stephanie Oppitz 24. Juni 2017 11814 mal angesehen

Puh… die Entwicklung der Schwimmwindel ist für mich wohl zu einer der größten Herausforderungen geworden, seit ich die WindelManufaktur gegründet habe. Schon über ein Jahr (!) tüfteln meine Mitarbeiterinnen und ich an der perfekten Lösung, dem perfekten Schnitt, der perfekten Materialzusammensetzung. Weil sich viele von euch fragen, WIE wir das eigentlich so machen nehmen wir euch einfach mal mit ins Atelier und erzählen von unserem Prozess :)

Von Anfang an beziehen wir bei der Neuentwicklung von Produkten unsere Community und Kundinnen in die Entwicklung ein und lassen sie ausgiebig testen:
1. Testrunde im April
2. Testrunde, läuft aktuell

Und wie immer sind wir überwältigt von den viiiielen Rückmeldungen (allein auf Facebook insgesamt über 640 Kommentare!!!) , die wir bei unseren Aufrufen zum Testen bekommen haben. Dafür möchten wir euch an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich danken!! Das ist für uns natürlich noch mehr Ansporn, ein richtig gutes Produkt zu entwickeln, was sich von anderen Schwimmwindeln abhebt. Im Gegensatz zu anderen Modellen soll nämlich wirklich NICHTS ins Wasser gelangen, was fester ist als das Wasser selbst ;). Das ALLERSCHWIERIGSTE an der ganzen Sache: die Festlegung der Größen! Mal davon abgesehen ist dieser Badeanzugstoff verdammt schwer zu nähen...

Aber da sind wir schon bei den Anforderungen an unsere Innovation, und diese sind hoch! Wie immer geben wir uns nicht damit zufrieden, zu kopieren was eh schon auf dem Markt ist. Ich weiß, dass es immer noch ein Stückchen besser geht.... Aber, ganz ehrlich - dieses Stückchen besser ist äußerst herausfordernd!!

Wir wünschen uns eine Schwimmwindel mit wirklich gut anliegenenden Beinen, eine, die nicht nach Unterhose oder Windel aussieht sonder cool ist ;-) Eine, die wirklich schnell trocknet damit eure Mäuse sie danach schnell wieder anziehen können. Ohne störende Snaps, Klett-, Kordel- oder Reißverschlüsse. Eine, die unserem Designanspruch genügt....

Da mein Mann Volker ja bekanntlich ein absoluter Zahlenfreak ist *loveit* :) und sich hier schon mit dem ausführlichen Kostenvergleich von Stoffwindeln vs. Wegwerfwindeln einen Namen gemacht hat, möchte er euch transparent darstellen, mit welchem Aufwand wir nach den richtigen Konfektionsgrößen für unsere Schwimmwindeln suchen. Wir möchten euch einfach an dem ganzen Prozess teilhaben lassen und darüber informieren, wie der Stand der Dinge ist, woran wir gerade arbeiten und weshalb es so lange dauert die beste Schwimmwindel zu produzieren.

Ein Zwischenbericht von meinem Mann Volker: Wie legen wir die Größen für unsere Schwimmwindeln fest?

"Ich komme meistens ins Spiel, wenn es um Zahlen geht. Das liegt daran, dass ich als gelernter BWLer auch auf Arbeit viel mit Zahlen zu tun habe.

Ursprünglich wollten wir mit drei Größen für die Schwimmwindel starten. Im Lauf der Testphase haben wir allerdings festgestellt, dass die vorgesehenen Größen nicht immer bei allen Kindern optimal gepasst haben. Daher waren wir uns unsicher, wie die Schnittmuster genau aussehen sollen. Dies hat uns dazu gebracht, unsere Fans in der WindelManufaktur-Groupies-Gruppe bei Facebook nach den Maßen ihrer Kinder zu fragen. Ziel war es, die Schnittmuster möglichst genau auf den Bedarf anzupassen.

Wir waren sehr froh über die 44 konkreten Rückmeldungen auf unseren Aufruf. Ein Statistiker würde wahrscheinlich sagen, dass die Datenbasis zu klein ist, aber ich denke, dass wir damit trotzdem aussagekräftige Ergebnisse bekommen haben.

Was haben wir mit den Daten gemacht?

Stephanie und ich haben uns an einem schönen Samstag Anfang Juni zusammengesetzt, auf die Excel-Tabelle geschaut und überlegt, wie wir die drei Größen am besten einteilen. Dazu haben wir die Daten für Gewicht, Alter, Bauch- sowie Oberschenkelumfang herangezogen. Nach einer Stunde hin- und herüberlegen und verschiedenen Ideen, hat sich herauskristallisiert, dass es uns schwer fällt, eine optimale Variante zu finden.

Dadurch ist mir die Idee gekommen, den Computer zu Hilfe zu nehmen. Ich nutze auf Arbeit ein wundervolles Tool von Microsoft mit dem Namen PowerBI – welches hervorragend geeignet ist, um Daten zu analysieren. Also habe ich die Daten anonymisiert, normalisiert und in die Software geladen. Zunächst einmal haben wir die Ergebnisse grafisch dargestellt:



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Im Bild sieht man zwei Streudiagramme mit der Entwicklung des Bauchumfangs (links) und des Oberschenkelumfangs (rechts) in Abhängigkeit vom Gewicht der Kinder. Nach langem Starren auf dem Bildschirm und intensiver Diskussion haben wir festgestellt, dass wir eine Größe für die ganz Kleinen und eine Größe für große Kinder brauchen. Nur mit der Mitte, also den Kindern im Bereich von 7,5 bis 12,5 kg, waren wir unzufrieden. In diesem Bereich variieren die Bauchumfänge in einer Spanne von 25 cm und die Oberschenkelumfänge in einer Spanne von 15 cm! Damit war uns klar, dass wir diesen Gewichtsbereich nicht mit einer Größe abdecken können.

Hier mal ein genauerer Blick auf diesen „Problembereich”:


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Wie man sehr schön sehen kann, vergrößert sich mit zunehmendem Alter auch der Bauchumfang (eine nicht aufhaltbare Entwicklung ;-)). Allerdings ist das beim Oberschenkelumfang nicht der Fall. Da ist die Tendenz eher gleichbleibend beziehungsweise sogar leicht rückläufig. Aus meiner Sicht ist das damit zu erklären, dass die Kinder, sobald sie laufen lernen, viel aktiver sind und durch den größeren Bewegungsumfang die Oberschenkeldicke nicht mehr zunimmt bzw. sogar abnimmt.

Und nun kommt die Magie ins Spiel:

Power BI verfügt über die schöne Funktion, dass man Daten clustern kann. Dazu verwendet das Programm einen Algorithmus. Um dem ganzen etwas Magie zu verleihen, spricht man heutzutage auch von Machine Learning. Wir haben als Input die Daten vorgegeben und eine Clusterung in vier Bereiche, wobei wir drei Variablen für die Berechnung der Cluster vorgegeben haben.

Das Ergebnis sieht folgendermaßen aus:



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Auf beiden Bildern sind die vier Cluster farbig hervorgehoben. Das rechte Bild sieht ganz gut aus, da gibt es einen stimmigen Zusammenhang zwischen Gewicht und Oberschenkelumfang. Beim linken Bild ist das überhaupt nicht so eindeutig. Die grünen Punkte verteilen sich in einer weiten Spanne bezüglich des Bauchumfangs.

Beim Anblick dieser Abbildung kamen uns ehrlich gesagt ein paar Zweifel, ob die Clusterung wirklich sinnvoll war. Nach einigen Überlegungen war uns aber klar, dass wir uns viel zu sehr auf die Relation von Bauchumfang und Oberschenkelumfang zu Gewicht fokussiert hatten.

Daher haben wir uns die Daten mal in anderem Zusammenhang angesehen. Und zwar in einem – aus unserer Sicht - viel relevanteren:

Nämlich dem Oberschenkelumfang und dem Bauchumfang. Letztendlich ist es ja auch vollkommen egal, wie schwer ein Kind ist, solange ihm die Windeln passen. Und damit sind wir auch schon beim Ergebnis:

Die Kreuzungspunkte der farbigen Linien markieren jeweils die Werte für Bauchumfang und Oberschenkelumfang, die wir für die Erstellung der Schnittmuster verwenden werden. Aber damit konnte uns das Programm natürlich nicht gleich die Daten für das Schnittmuster ausgeben - denn Badeanzugstoff ist ja dehnbar.".

Mittlerweile haben wir den dritten (!!!) Durchlauf mit Prototypen und wir sind begeistert von den Rückmeldungen! Wir hoffen, dass wir die letzten kleinen Fehler noch beheben können und sind dementsprechend hoffentlich bis Ende Juni endgültig sicher sein können, dass Schnitt und Passform unseren und euren Anforderungen entsprechen.

Die Schwimmwindeln werden dann in den nächsten Tagen/Wochen in unseren Onlineshop kommen :-) Und wir freuen uns schon riesig auf die Produkte und Eure Reaktion darauf!

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