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Erzähl mal! Mit Stoffwindeln im Fahrradurlaub - Reisebericht von Familie Fries

Erzähl mal! Mit Stoffwindeln im Fahrradurlaub - Reisebericht von Familie Fries
Von Fabiane Follert 8. Oktober 2020 1938 mal angesehen

Dank unserer Hashtag-Aktion #windelmanufakturaufreisen bekommen wir ganz viele tolle Bilder und Reiseberichte über Instagram und Facebook zugespielt. Für unsere Interviewreihe "Erzähl mal!" haben wir in der Vergangenheit mehrere Kund*innen nach ihren Erfahrungen mit Stoffwindeln im Urlaub befragt. So auch Sophia Fries. Von ihr wollten wir wissen, welche Erfahrungen sie mit Stoffwindeln im Fahrradurlaub gemacht hat. Sie zeigt uns neben schönen Urlaubsfotos, wie unkompliziert und stressfrei umweltverträgliches Reisen geht.

Hallo Sophia, wir freuen uns, dass du deine Erfahrungen mit Stoffwindeln im Fahrradurlaub mit uns teilst. Bevor wir zu deinem Reisebericht kommen, möchten wir dich und deine Familie kurz kennenlernen. Wer seid ihr?

Wir sind Felix (29 Jahre), Sophia (28 Jahre) und Justus (11 Monate). Wir leben seit knapp 10 Jahren in Dresden und sind gerne draußen unterwegs. Da wir kein Auto besitzen (wollen), erledigen wir unsere täglichen Wege fast ausschließlich mit dem Fahrrad und seit 11 Monaten auch mit dem Kinderanhänger.

Euer Kind wickelt ihr mit unseren Stoffwindeln. Wann und warum habt ihr beschlossen, mit Stoff zu wickeln?

Wir haben schon vor und während der Schwangerschaft bei Freunden und Familie verschiedene Wickelsysteme gesehen und das hat uns schnell zu der Entscheidung gebracht, nicht mit Wegwerfwindeln wickeln zu wollen. Der Hauptgrund war die Vermeidung von nicht recyclebarem Müll. Als Pragmatiker hatten wir aber auch keine Lust auf umständliche Mullwindeln-Wollüberhosen-Kombinationen. Wir haben uns daher nach einem System umgeschaut, das sich wie eine Wegwerfwindel anziehen lässt. Bei der Recherche hat uns das Konzept der Windelmanufaktur überzeugt und erst danach haben wir mit Freude erfahren, dass diese sogar in Dresden hergestellt werden.


Erzählt mal ein bisschen von eurer Fahrradreise. Wie habt ihr die geplant, wo ging es hin, wie habt ihr euch mit Baby und den Stoffwindeln im Gepäck organisiert?

Als Ziel haben wir uns die Picos de Europa herausgesucht, einen Gebirgszug im Norden Spaniens. Das geisterte uns schon länger als Reiseziel im Kopf herum. Wegen der langen Anreise hat es sich für unsere zweiwöchigen Sommerurlaube allerdings nie so richtig angeboten. Die zweimonatige gemeinsame Elternzeit war daher eine gute Gelegenheit. Da wir 1. aus ökologischen Gründen nicht so weit Auto fahren oder fliegen wollten, 2. kein Auto besitzen und 3. Zugfahren mit Justus die entspannteste Art des Reisens ist, haben wir uns für eine Bahnreise entschieden. Dabei stellte sich heraus, dass es gerade in Nordspanien schwierig war, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in die Berge zu kommen. Also: die Fahrräder müssen auch mit!

Das machte die Planung der Zugfahrt schlagartig kompliziert, da wir es durch vier Länder mit jeweils unterschiedlichen Regelungen zur Fahrradmitnahme schaffen mussten. Details hierzu würden den Rahmen dieses Berichts sprengen, wir geben auf Nachfrage aber gerne Tipps an Interessierte weiter.

Im Endeffekt ging es dann bis Hendaye an der französisch-spanischen Grenze mit dem Zug. Von dort aus fuhren wir mit den Rädern an der wunderschönen Nordküste Spaniens entlang bis zu dem Städtchen Llanes. Dort bogen wir dann nach Süden in die Berge der Picos de Europa ab. Hier haben wir dann ein paar Tage die Fahrräder stehen gelassen und stattdessen die Wanderschuhe ausgepackt. Für Justus hieß das dann also Trage statt Anhänger, was ihn aber nicht weiter gestört hat. Weiter in Richtung Süden haben wir das Gebirge dann wieder verlassen und haben nach etwa 1200 Fahrradkilometern die Stadt Burgos erreicht. Von hier aus ging es dann mit dem Zug wieder zurück nach Dresden.

Stoffwindeln nahmen wir für etwa eine Woche mit, haben aber schnell gemerkt, dass mit täglicher Handwäsche auch ein Vorrat für zwei Tage gereicht hätte. Die Windeln morgens immer direkt mit der Hand auszuwaschen und anschließend während der Fahrt am Anhänger zu trocknen, hat sich nämlich aus Platz-, Geruchs- und Gewichtsgründen als am praktischsten erwiesen.

Das Gepäck haben wir ziemlich fair auf die beiden Fahrräder verteilt. Da Felix den Anhänger zog, der besonders in den Bergen deutlich zu spüren war, hat er ansonsten eher das voluminöse Gepäck bekommen: Klamotten und Regensachen. Sophia hatte dann die schweren Einzelteile. Also die ganzen Kochsachen, das Zelt, das Essen, die Wanderschuhe usw. Unser Windelvorrat lag neben Justus im Rucksack im Anhänger. Dort hatten wir auch immer wieder Dinge, an die man unterwegs schnell und unkompliziert ran musste, wie zum Beispiel den Wickelbeutel und die "Notfallbananen", die hin und wieder Justus' Laune retten mussten, wenn es noch ein paar Kilometer bis zum Campingplatz waren.

Ähnlich war es mit den alltäglichen Tätigkeiten unterwegs und am Campingplatz, die wir auch möglichst verteilt haben. Zum Beispiel hat einer gerade das Zelt aufgebaut, der andere Justus gewickelt. Oder einer hat gekocht, der andere war mit Justus am Spielplatz.

Wie und wo habt ihr übernachtet?

Wir haben fast ausschließlich auf Campingplätzen gezeltet. Das hat im Vergleich zu Hotels, Pensionen usw. den Vorteil, dass man mit dem Fahrrad direkt bis zum Schlafplatz fahren kann und das Gepäck nicht durch enge Treppenhäuser tragen muss. Außerdem wollten wir gerne so viel wie möglich draußen sein. Einmal haben wir wild gecampt und zweimal auf der Reise im Hotel übernachtet.


Wie waren eure Erfahrungen mit dem Waschen? Wie habt ihr das Wickeln und Waschen mit Stoffwindeln auf eurer Fahrradreise mit Baby konkret umgesetzt? Was habt ihr an Wickelmaterial und Reinigungsmitteln mitgenommen?

Zu unserer großen Überraschung hatten alle Campingplätze eine Waschmaschine und die meisten sogar einen Trockner. Im Schnitt haben wir etwa einmal die Woche gewaschen und je nach Wetterlage auf der Leine oder im Trockner getrocknet. Häufig konnten wir leider nicht unser eigenes Waschmittel nutzen und hätten es sogar nie gebraucht. Dadurch rochen unsre Windeln leider zeitweise wie frisch aus der Parfümerie...

Mitgenommen haben wir viel zu viel:

  • Alle Außenwindeln, die wir haben (8)
  • Alle Innenwindeln, die wir haben (alle PUL, 10)
  • Als Einlagen für tagsüber haben wir Mullwindeln mitgenommen, da die am schnellsten trocknen (ca. 20-25)
  • Für nachts nutzen wir eine Kombination aus Biofrottee, 2x Booster und 1x Hanfleece (5x diese Kombination)
  • Windelvlies
  • Waschlappen
  • Töpfchen
  • Eine Tube Rei
  • Vollwaschpulver
  • Wegwerfwindeln als Backup (ca. 10), gebraucht haben wir eine einzige


Wie oben schon geschrieben war das Dank der Handwäsche und des guten Wetters viel zu viel. Allerdings konnten wir uns so bei längeren Aufenthalten an einem Ort die Handwäsche sparen.

Da Justus einfach nicht stillhalten kann, wickeln wir sowohl zuhause als auch auf der Reise im Stehen. Eine Wickelunterlage haben wir daher gar nicht erst mitgenommen. Das Töpfchen war zwar sehr sperrig (gibt es eigentlich faltbare Outdoor-Töpfchen?), hat uns aber auch die ein oder andere volle Windel erspart. Wir würden es also immer wieder mitnehmen.

Würdet ihr es wieder so machen und welche Tipps könnt ihr anderen Eltern mit auf den Weg geben, die eine ähnliche Reise Planen?

Auf jeden Fall!

"Je langsamer man unterwegs ist, desto weniger sieht man, aber desto mehr erlebt man."

Das können wir absolut bestätigen. Wir sind in Ecken gewesen, in denen man mit dem Auto nie landen und schon gar nicht anhalten würde. Wir haben viele tolle Menschen getroffen, haben unglaublich viel Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft erfahren, haben als Familie einige Herausforderungen gemeistert, waren an tollen Orten und haben insgesamt viel erlebt.

Für uns war es ganz normal und gar keine Frage, ob wir die Stoffwindeln mitnehmen. Sie waren einfach dabei, so wie sie eben immer und überall dabei sind.

Als Tipps können wir auf jeden Fall noch weitergeben, dass man sich bei der Planung nicht entmutigen lassen sollte und Stoffwindeln unterwegs auch nicht viel mehr Arbeit machen, als zu Hause. Eine Reise nach Spanien mit Kind können wir auch wirklich empfehlen: neben der schönen Landschaft, dem leckeren Essen und warmen Klima sind die Spanier unglaublich kinderfreundlich und es gibt überall Spielplätze.


Danke für deinen wundervollen Erfahrungsbericht! Wir hoffen, dass es auch anderen Mut macht, es im Urlaub mit Stoffwindeln zu versuchen und umweltverträglichere Formen des Reisens auszuprobieren. Deine Erfahrungen ergänzen auch noch mal schön, was wir in unseren 10 Tipps für entspanntes Wickeln auf Reisen geschrieben haben.

Falls du auch von deiner Reise berichten möchtest, schreib uns gerne eine E-Mail an fabiane@windelmanufaktur.de oder nutze weiterhin das Hashtag #windelmanufakturaufreisen, wenn wir deine Bilder auf Instagram und Facebook teilen dürfen. Lass uns gemeinsam allen da draußen erzählen, dass Stoffwindeln in jeder Situation die richtigen sind. Weil sie immer ökologisch sind. Weil sie nie ausgehen. Weil man sie überall mal eben waschen kann. Und weil sie einfach sooo sooo schön aussehen auf den Urlaubsfotos. :)